An Tagen wie Diesen

Es ist so viel in den letzten Tagen passiert, dass ich es gar nicht geschafft habe zu berichten. Der Russische Gegner, ohne Elo, in Runde 4 erwies sich leider als zu stark. Gegen die Pirc – Verteidigung konnte Luis nicht so richtig Druck aufbauen und wurde langsam überspielt. Richtig spannend ging es in Runde 5 zur Sache. In der geliebten Najdorf Variante ,mit entgegengesetzten Rochaden, stürmten beide mit den Bauern auf den gegnerischen König los. Der Pole Szpar Milosz schien sich im Laufe der Zeit seiner Sache jedoch sehr sicher zu sein. Mal ein müdes gähnen am Brett oder lange Spaziergänge durch den Spielsaal.

Augen zu und durch

professionelle Sitzhaltung des Polen

Als Zuschauer kann man zwar den Schützling von der Tribüne sehr gut sehen, jedoch ist die Stellung immer durch einen Rücken der Spieler verdeckt. Als wir gerade den Spielsaal wieder verlassen wollten, um uns in einer der umliegenden Bars die Zeit zu vertreiben, kam plötzlich ein Schiedsrichter an das Brett von Luis. Sein Gegner gestikulierte wild und verließ dann schlagartig mit Tränen in den Augen den Spielsaal. Was war passiert? Die ständigen Spaziergänge hatten sein Zeitkonto auf 4 Minuten schrumpfen lassen. Als er dann endlich ziehen wollte zeigte seine Uhr jedoch 0:00. Mitleid kann man bei diesem Benehmen wirklich nicht haben.

Mit guten 3/5 ging es dann in den Ruhetag. Die Deutsche Delegation traf sich morgens zum Bootsausflug. Ich bin zwar kein Fan vom frühen aufstehen, vor allem wenn es nicht unbedingt notwendig ist, aber diese Ausblicke bei strahlendem Sonnenschein haben sich gelohnt.

Auf dieser Insel fand das Rematch von Spasski und Fischer statt.

Nach dem abendlichen Spaziergang ging es für mich an die Vorbereitung. Die Auslosung bescherte uns die Nummer 7 der Setzliste – FM Viktor Gazik (2134). Ich fand ein paar Partien in denen er die Drachenvariante spielte. Besonders eine Partie von der letzten Weltmeisterschaft fiel mir ins Auge. Auf 9.g4 spielte er ungenau und opferte wenig später inkorrekt eine Figur. Er konnte damals allerdings gewinnen. Vielleicht hatten er diese Partie nicht richtig analysiert oder schon vergessen jemals so gespielt zu haben? Bei so vielen Turnieren die dieser Junge schon gespielt hat, durchaus möglich. Ich zeigte Luis morgens die Variante und er lernte alle möglichen Zugfolgen auswendig. Kurz vor Beginn der Runde konnten Robert, Ulrich und ich sehr gute Plätze auf der Tribüne ergattern. Wir konnten sowohl Luis als auch das Brett verhältnismäßig gut sehen. Die Partie begann und die ersten Züge wurden schnell gezogen. Drachen. Luis spielte allerdings extra einen Tick langsamer. Er wollte nicht direkt preisgeben, dass er diese Züge schon vor ein paar Stunden auf dem Brett hatte. Als Gazik nun am Zug war und die Möglichkeit hatte, das inkorrekte Opfer anzubringen, schlugen unsere Herzen auch auf der Tribüne wesentlich schneller. Die Spannung war förmlich greifbar. YES! Mit einem kräftigen Ruck schlug der Slovake auf f3 und sorgte damit für einen kleinen Schmunzler bei Luis. Er spielte die nächsten Züge a Tempo und stand am Ende der Vorbereitung so:

Engel – Gazik

Nach seinem letzten Zug, 15.h6!, ist die schwarze Stellung nicht zu beneiden.

Der Rest war für Luis nur eine Fingerübung. Der erste Sieg gegen einen Gegner dieses Kalibers!
Morgen geht es gegen den Spanier Juan Plazuelo mit 1962. Natürlich kann man nicht erwarten das es immer so gut klappt wie heute, aber hoffen kann man natürlich 🙂

Zum Abschluss wie immer noch ein paar Bilder:

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