Europameisterschaft 2013 – Luis bester Deutscher!

Die Europameisterschaft ist nun seit 2 Tagen Geschichte. Somit genug Zeit das erlebte zu verarbeiten. Vor allem scheint das Essen doch Nachwirkungen bei mir hinterlassen zu haben – „Ein Gruß aus der Küche“ sozusagen. Diese Probleme verflüchtigen sich jedoch schnell bei einem Blick auf die Tabelle. Luis ist mit 5,5/9 bester Deutscher Teilnehmer in der Altersklasse U12.

In der 8. Runde lief der Ungar Adam Kozak in unsere Vorbereitung. Luis stand in der Italienischen Eröffnung sehr angenehm und konnte sich einen Mehrbauern erarbeiten. Kozak, mit einer Elo von 2195 an Nummer 4 gesetzt, verteidigte sich jedoch hartnäckig und konnte Gegendrohungen aufstellen. Auf einmal war die Stellung alles andere als klar. Die Schwarzen Figuren umringten Luis´ König und nur gerade so konnte er alle Angriffe parieren. Ein Generalabtausch mündete dann in ein ausgeglichenes Springerendspiel – Zeit zum Händeschütteln.

Das neue Wundergetränk immer mit dabei

Mit 4,5 aus 8 und einer Performance von 2011 war die Stimmung natürlich auf dem Höhepunkt. Trotzdem ist die letzte Runde immer etwas besonderes. Vor einem Jahr bei der Weltmeisterschaft in Maribor verlor Luis, nach sensationellem Turnier, die letzten beiden Partien. Die Niederlagen mussten erst einmal verdaut werden, bevor er sein Geleistetes zu verstehen begriff. Diesmal sollte es anders laufen. Sein ihm zugeloster Polnischer Gegner kam einfach nicht zur Partie.

Luis ohne Gegner

In Budva wurde mit Null Karenz gespielt. Wer also nicht pünktlich am Brett sitzt, hat verloren. Natürlich gibt es ein schöneres Ende für so ein Turnier. Aber dagegen kann man nichts machen. So konnte Luis den größten ELO Gewinn aller Deutschen konservieren: 44,4 Punkte!

Ich bin unendlich froh über dieses tolle Ergebnis. Seit Beginn seiner Schachkarriere im HSK vor 2 Jahren trainiere ich Luis nun schon. Christian Zickelbein machte mich auf den kleinen Jungen aufmerksam, welcher selbstständig die Schachzeitung las und bei dem die Augen beim erblicken taktischer Motive leuchteten. Von seiner Entwicklung kann man sich auf http://www.schachbund.de/spieler.html?pkz=10286900 selbst ein Bild machen. ich hoffe das in Zukunft die steile Entwicklungskurve weiter nach oben zeigt.

Die Stimmung in unserem Team war super! Papa Ulrich hatte alle organisatorischen Fäden in der Hand und Zwillingsbruder Robi hat sich nicht nur auf dem Fußballplatz einen Namen gemacht, sondern Luis bestmöglich moralisch unterstützt. Seine täglichen Berichte für die Schülerzeitung sind auch sehr lesenswert. Vielleicht sollte ich dafür nicht zu viel Werbung machen, sonst liest niemand mehr meinen Blog..

Vielen Dank für die ganze Unterstützung!

Felix Meißner

Party Party Party!

Der Sieg gegen FM Viktor Gazik musste natürlich erstmal gebührend gefeiert werden. Die erste Gewinnpartie gegen einen Titelträger! Die Stimmung konnte nicht besser sein. Selbst der komplette Fisch, mit Augen und allem was so im Inneren ist, den ich verspeisen musste (Wettschulden sind Ehrenschulden) schmeckte an diesem Tag außerordentlich gut.


An so einem Tag gewinnt sogar der HSV

Sonntag war dann leider die Luft etwas raus.

Wir wollten der gegnerischen Vorbereitung aus dem Weg gehen, sodass wir auf 1.. d6 vertrauten. Diese Eröffnung hat Luis noch nie zuvor gespielt, aber hey warum nicht?! „Hawkeye“ spielt ja auch so. Der Spanier kam allerdings ganz gut damit zu Recht, konnte Vorteil erreichen und später die Partie gewinnen. Auf jeden Fall kein Beinbruch, da er ja schließlich auch über 100 Punkte höher eingeschätzt war. Heute hat Luis schon wieder den stärksten aller möglichen Gegner zugelost bekommen – die Nummer 4 der Setzliste. In gut 3 Stunden geht es los, sodass wir jetzt dringend nochmal alles durchgehen müssen. Ich rieche heute irgendwie die Sensation 🙂

An Tagen wie Diesen

Es ist so viel in den letzten Tagen passiert, dass ich es gar nicht geschafft habe zu berichten. Der Russische Gegner, ohne Elo, in Runde 4 erwies sich leider als zu stark. Gegen die Pirc – Verteidigung konnte Luis nicht so richtig Druck aufbauen und wurde langsam überspielt. Richtig spannend ging es in Runde 5 zur Sache. In der geliebten Najdorf Variante ,mit entgegengesetzten Rochaden, stürmten beide mit den Bauern auf den gegnerischen König los. Der Pole Szpar Milosz schien sich im Laufe der Zeit seiner Sache jedoch sehr sicher zu sein. Mal ein müdes gähnen am Brett oder lange Spaziergänge durch den Spielsaal.

Augen zu und durch

professionelle Sitzhaltung des Polen

Als Zuschauer kann man zwar den Schützling von der Tribüne sehr gut sehen, jedoch ist die Stellung immer durch einen Rücken der Spieler verdeckt. Als wir gerade den Spielsaal wieder verlassen wollten, um uns in einer der umliegenden Bars die Zeit zu vertreiben, kam plötzlich ein Schiedsrichter an das Brett von Luis. Sein Gegner gestikulierte wild und verließ dann schlagartig mit Tränen in den Augen den Spielsaal. Was war passiert? Die ständigen Spaziergänge hatten sein Zeitkonto auf 4 Minuten schrumpfen lassen. Als er dann endlich ziehen wollte zeigte seine Uhr jedoch 0:00. Mitleid kann man bei diesem Benehmen wirklich nicht haben.

Mit guten 3/5 ging es dann in den Ruhetag. Die Deutsche Delegation traf sich morgens zum Bootsausflug. Ich bin zwar kein Fan vom frühen aufstehen, vor allem wenn es nicht unbedingt notwendig ist, aber diese Ausblicke bei strahlendem Sonnenschein haben sich gelohnt.

Auf dieser Insel fand das Rematch von Spasski und Fischer statt.

Nach dem abendlichen Spaziergang ging es für mich an die Vorbereitung. Die Auslosung bescherte uns die Nummer 7 der Setzliste – FM Viktor Gazik (2134). Ich fand ein paar Partien in denen er die Drachenvariante spielte. Besonders eine Partie von der letzten Weltmeisterschaft fiel mir ins Auge. Auf 9.g4 spielte er ungenau und opferte wenig später inkorrekt eine Figur. Er konnte damals allerdings gewinnen. Vielleicht hatten er diese Partie nicht richtig analysiert oder schon vergessen jemals so gespielt zu haben? Bei so vielen Turnieren die dieser Junge schon gespielt hat, durchaus möglich. Ich zeigte Luis morgens die Variante und er lernte alle möglichen Zugfolgen auswendig. Kurz vor Beginn der Runde konnten Robert, Ulrich und ich sehr gute Plätze auf der Tribüne ergattern. Wir konnten sowohl Luis als auch das Brett verhältnismäßig gut sehen. Die Partie begann und die ersten Züge wurden schnell gezogen. Drachen. Luis spielte allerdings extra einen Tick langsamer. Er wollte nicht direkt preisgeben, dass er diese Züge schon vor ein paar Stunden auf dem Brett hatte. Als Gazik nun am Zug war und die Möglichkeit hatte, das inkorrekte Opfer anzubringen, schlugen unsere Herzen auch auf der Tribüne wesentlich schneller. Die Spannung war förmlich greifbar. YES! Mit einem kräftigen Ruck schlug der Slovake auf f3 und sorgte damit für einen kleinen Schmunzler bei Luis. Er spielte die nächsten Züge a Tempo und stand am Ende der Vorbereitung so:

Engel – Gazik

Nach seinem letzten Zug, 15.h6!, ist die schwarze Stellung nicht zu beneiden.

Der Rest war für Luis nur eine Fingerübung. Der erste Sieg gegen einen Gegner dieses Kalibers!
Morgen geht es gegen den Spanier Juan Plazuelo mit 1962. Natürlich kann man nicht erwarten das es immer so gut klappt wie heute, aber hoffen kann man natürlich 🙂

Zum Abschluss wie immer noch ein paar Bilder:

Luis weiter gut dabei!

3 Runden sind jetzt schon gespielt. Das Daumen drücken in Runde 2 hat leider nicht geholfen. Der Ukrainische Kontrahent entschied sich für die Caro Kann Verteidigung und mit 1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 b5?! für eine Nebenvariante, welche eigentlich nicht so toll sein kann, aber auf den ersten Blick auch nicht leicht zu widerlegen ist. Luis spulte seine gewohnten Züge ab und stand sicherlich in Ordnung. Er hatte dann die Möglichkeit kurz oder lang zu rochieren. Leider entschied er sich für die falsche Seite und verlor dadurch, quasi forciert, einen Bauern ohne große Kompensation. Das Leiden ersparte er sich kurz danach, in dem er seinen Springer noch auf Abwege führte und wenig später aufgab. Ein falscher Plan und aus, Shit Happens!

auch unserem Ball geht es nicht mehr ganz so gut

Wesentlich erfreulicher lief es gestern. Luis wählte gegen 1.d4 die Königsindische Verteidigung. Mit 5.f3 probierte der Bulgare Ivanov die Sämisch – Variante. Es kam zu einem typischen großen Wettrennen mit entgegengesetzten Rochaden. Wer kann schneller Mattsetzen? Luis! Er kam am Damenflügel einfach schneller voran und gewann am Ende verdient. Eine gute Partie! Der aufmerksame Leser ist bei „ der Bulgare Ivanov“ im Zusammenhang mit einer Niederlage vielleicht stutzig geworden. Es handelte sich nicht um den berühmt berüchtigten Borislav Ivanov, der in den letzten Monaten mit einer nahezu eindeutigen Übereinstimmung mit Houdini Zügen in den Schlagzeilen war. Ein 11 Jähriger kommt auch sicher nicht auf so einen Quatsch.
Einzig unerfreulich war meine verlorene Wette mit Luis. Ich hatte auf einen Colle – Aufbau getippt, womit ich falsch lag. Als Wettschuld darf sich Luis nun ein Gericht am Buffet aussuchen, welches ich genüsslich verspeisen darf. Das Mittagessen war heute allerdings heute erstaunlich gut, sodass Luis es nicht als geeignet empfand…

Das Essen ist nicht immer so toll wie heute

Gleich geht es gegen eine echte Wundertüte. Die Auslosung beschert Luis einen Russen ohne ELO Zahl. Unterschätzen sollte man den Gegner allerdings auf keinen Fall. Im letzten Jahr in Maribor war Luis schließlich auch noch ohne internationales Rating. In der Datenbank gibt es keine Partien. Also haben wir als Vorbereitung ein kleines Blitzturnier veranstaltet. Überhaupt spielen wir ziemlich viele Partien mit kurzer Bedenkzeit. Ein Grund dafür könnte auch die Anwesenheit von Ex – Bulletweltmeister Roland „Hawkeye“ Schmaltz sein. Vielleicht hilft es ja, „Kramer Effekt“ und so

Abschließen möchte ich meinen heutigen Bericht mit ein Paar Eindrücken aus dem Resort und der Bitte, weiter die Daumen zu drücken!

Die Deutsche Delegation

Alles klar – in Budva! Europameisterschaft 2013

Alles klar – in Budva! Europameisterschaft 2013

Unsere 4 Köpfige Reisegruppe ( Luis, Bruder Robert, Papa Ulrich und mir) ist Samstag Abend unversehrt in Budva angekommen. Von Hamburg ging es mit dem Zug nach Frankfurt und dann mit dem Flieger nach Podgorica.

Die komplette Deutsche Delegation fuhr dann mit einem Bus noch 1,5 h durch die Berge bis zu unserem endgültigen Ziel – Budva. Ich kann leider nicht allzu viel Interessantes über die Fahrt sagen, da mein Körper sich den fehlenden Schlaf wieder holen musste (wir starteten unseren Trip mitten in der Nacht. 7 Uhr oder so.. ) Geweckt wurde ich allerdings zwischendurch immer mal, wenn bei der Lösung von den mitgebrachten Taktikaufgaben Unklarheiten bestanden.Die Motivation stimmte also schon mal.

Nach dem die üblichen organisatorischen Probleme (Akkreditierung, Zimmervergabe, Abendessen, Eröffnungszeremonie …) gelöst waren, ging es auch schon auf die sehr großzügig eingerichteten Suiten.

Gestern ging es nach dem Frühstück ( was noch verbesserungswürdig ist) auf Erkundungstour durch das Resort. Es ist der absolute Wahnsinn. „Resort Slovenska Plaza“ ist wie eine große Stadt aufgebaut. Viele Straßen, Geschäfte und große Häuser. Die Wohngebäude sind nach den Pflanzen benannt, die im Innenhof vorkommen. Unser Haus heißt „Ruzmarina“. Auch Freizeitmöglichkeiten gibt es mehr als genug. Wir testeten gestern den Fußballplatz, den Swimmingpool, den Steg am Meer und die „Shoppingmeile“ an der Strandpromenade mit lauter Ständen mit Schnickschnack im Angebot. Die Minigolfanlage wird wohl auch noch in den nächsten Tagen erkundet.

rechts unten schlägt es ein

super Qualität für 6€

Ähhm warum sind wir eigentlich hier? Richtig, wegen der Jugendeuropameisterschaft U12. Luis ist mit seiner frischen Elozahl über 1850  in der Mitte des Feldes gesetzt und kann ganz ohne Druck aufspielen. Gestern zur 1.Runde lief das schon mal sehr gut. Mit Schwarz ging es gegen einen Norweger mit 1486. Wir hatten zur Vorbereitung nur 6 Partien, woraus aber zu sehen war, dass es wohl zu einem Sizilianisch Duell kommen würde.

Also noch mal ein paar Najdorf Varianten angeschaut und noch eine Flasche von dem neuen Wundersaft – eine billige Variante von Fanta – reingeschüttet und ab zur Partie. Der Gegner wählte eine sehr harmlose Variante mit 6. Le2 und stellte dann alle seine Figuren nacheinander passiv. Luis wusste genau, wo welche Figur hin muss und überspielte seinen norwegischen Kontrahent ziemlich locker. 9 Minuten eher hätte die Partie allerdings zu Ende gehen können. Als ein kurzzügiges Matt auf dem Brett stand, ließ Odin Nicolai Heier die Zeit ablaufen. Wohl kein Schüler von Magnus Carlsen..

Das neue Wundermittel..

Heute geht es gegen einen richtigen Brocken – Ein Ukrainer mit über 2100 Elo – dafür aber mit Weiß! Die Vorbereitung steht auch schon. Zur Zeit regnet es in Strömen und an baden oder sonstige schöne Aktivitäten ist nicht zu denken. Auf den Zimmern gibt es leider kein Wlan, sodass man nur die Möglichkeit hat, sich auf eine Bank vor dem Haus zu setzen (bei diesem Scheiss Wetter eher nicht so toll) oder sich in die überfüllte Hotellobby zu begeben. Caissa hat mir allerdings heute zugelächelt und mir einen wunderschönen Platz auf einer Couch organisiert.

Jetzt geht es aber gleich weiter zum Mittagessen..

Daumen drücken ab 15:30 Uhr !