Vom Ausbruch der Pest und verschwundenen Höschen

Die Situation bei der Europameisterschaft spitzt sich zu. Nach 7 gespielten Runden steht Luis bei 4 Punkten. Erst konnte er eine spannende Partie gegen den Griechen zum Sieg führen. Wie immer hat der Meister für euch die Partie fachkundig kommentiert:

5. Runde: http://view.chessbase.com/cbreader/2017/9/13/Game16390853.html

Kann bei so einem Ausblick am Morgen der Tag noch schlecht werden? Jo leider schon! Irgendeine Fleischkreation am Buffet vertrug mein Körper scheinbar nicht. Ich lag also erstmal flach. Witze wie „Riskant ist, wer Durchfall hat und trotzdem pupst“ konnten meine Stimmung nur kurz erheitern. Während ich den ganzen Tag auf unser Couch gammelte, vergaß ich auch meine geliebte Badehose auf dem Balkon. Diese sollte eigentlich nur kurz trocknen. Als ich das nächste mal nachschaute, war sie verschwunden. Vom Winde verweht sozusagen. Sicher fragt sich der Leser, warum mir das für 40 Lei ( 10 Euro) erstandene Höschen so am Herzen liegt. Ich bin mit Luis am ersten Tag im Resort – Kiosk „shoppen“ gegangen. Leider gab es mit INSGESAMT 7 Badehosen nur eine sehr eingeschränkte Auswahl. Alle blau. Also immer eine in die Hand und in die provisorische „Kabine“ umziehen. So richtig passen wollte keine. Die charmante Verkäuferin schien schon etwas genervt und kam auf einen genialen Einfall. Sie gab mir einfach das gleiche Höschen noch einmal und sagte, dass dieses jetzt aber wirklich passen müsste 🙂
Da mir das ständige Umziehen langsam zu anstrengend wurde und wir endlich an den Strand wollten, habe ich dann die Kröten aus der Tasche geholt und den Laden verlassen.

etwas kurz aber trägt man wohl heutzutage so

Den spielfreien Tag nutzten wir, um das Fußballturnier zu gewinnen. Dies gelang uns trotz starker polnischer Gegenwehr ziemlich souverän.

Die 6. Runde bescherte Luis mit Lucas van Foreest das niederländische Top-Talent schlechthin. Mit Lucas habe ich 2 Jahre in einer Mannschaft in der Niederländischen 1.Liga gespielt. Er ist einer der Favoriten auf den Europameister und war an diesem Tag schlichtweg zu stark für Luis.

6. Runde: http://view.chessbase.com/cbreader/2017/9/13/Game16409043.html

Leider erwischte die Magenverstimmung dann auch Luis. Ob es an der halben Packung Käsepopcorn oder irgendwelchen anderen Köstlichkeiten lag, konnte Dr. Meißner nicht abschließend klären. Jedenfalls bestand die Vorbereitung aus Schlaf nachholen (die Nacht verbrachte Luis die meiste Zeit auf dem Klo) und Tee trinken. Um 14 Uhr fühlte er sich trotzdem in der Lage zu spielen. Das an diesem Tag natürlich die komplizierteste Partie des Turniers folgen sollte, ist etwas Pech mit dem Timing.

7. Runde: http://view.chessbase.com/cbreader/2017/9/13/Game16419105.html

Heute ging es Luis aber schon wieder ganz in Ordnung. Dafür schwächeln jetzt Appartementkollegen Raphael und Leonid. Wie ich heute am Pool erfuhr sind aber noch weitere Deutsche betroffen.

Jetzt geht es erstmal zum Abendessen 🙂

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Luis auf der Überholspur!

Luis ist im Turnier angekommen. Aber wie! Mit zwei stark herausgespielten Siegen befindet er sich in der Verfolgergruppe. Luis hat beide Perlen wieder für euch kommentiert:

Runde 3: Engel – Loukopoulos : http://view.chessbase.com/cbreader/2017/9/8/Game3341915.html

Runde 4: Kotau – Engel : http://view.chessbase.com/cbreader/2017/9/8/Game1752905.html

Morgen findet um 15 Uhr die 5. Runde statt. Am Sonntag ist Ruhetag. Mittlerweile haben wir einen guten Tagesrhythmus gefunden. Nachfolgend ein kurzer Überblick über einen typischen EM – Tag:

8:45 Uhr : Wecker klingelt
9:00 Uhr : Ab zum Frühstücksraum
9:15 Uhr : Drängeln am Kaffeeautomat
9:17 Uhr : Mist! Wieder leer und weit und breit kein Personal da
10:00 Uhr : Gegner in der Datenbank checken und für eine Eröffnung entscheiden
11:30 Uhr : Eröffnungsdatei wiederholt
11:45 Uhr : Badesachen an und ab an den Strand / Pool

11:46 Uhr : Handtücher von Rafael und Leonid klauen
11:46 Uhr : Jetzt aber wirklich los!

13:00 Uhr : Mittagessen
13:05 Uhr : anstellen beim Live – Cooking
13:10 Uhr : Der lustlose Koch wirft einem die Pita – Rolle auf den Teller
13:30 Uhr : Wiederholung der Eröffnung und letzte Motivationsrituale („WHO AM I? I AM A CHAMPION!“) 🙂
14:00 Uhr : Abfahrt zum Kongresszentrum
15:00 Uhr : Partiestart
19:30 Uhr : Luis hat gewonnen
20:00 Uhr : Abendessen
20:30 Uhr : Fußball auf feinstem Kunstrasen
22:00 Uhr : Analyse und Kommentierung der Partie

Danach Party bis in die frühen Morgenstunden..

Morgen geht es wieder gegen einen Griechen. Seine Elozahl von 2020 scheint jedoch nicht seine wirkliche Spielstärke wiederzugeben. Er konnte schon drei sehr starke Spieler schlagen (Heute gegen einen Gegner über 2400 ).
Ich würde jedoch meinem schlimmsten Feind nicht wünschen, gegen einen Luis (in dieser Form!) mit Schwarz zu spielen. Ich bin guter Dinge, dass er das Tempo halten kann und auf der Überholspur bleibt!

https://luiswirdweltmeister.files.wordpress.com/2017/09/b5cfd027-771a-4730-a712-cf732db17e36.jpg?w=525

Ausgleichende Ungerechtigkeit – Zwei Dramen in Mamaia!

Wie eng manchmal Freud und Leid beieinander sind, musste Luis in den ersten beiden Runden schmerzlich feststellen.

Beide Dramen hat Luis für den interessierten Leser kommentiert.

Runde 1: Engel – Kukas : http://view.chessbase.com/cbreader/2017/9/7/Game7105034.html

Runde 2: Ileana – Engel : http://view.chessbase.com/cbreader/2017/9/7/Game7138012.html

Als Trainer freue ich mich über die realistische Einschätzung von Luis. Die erste Partie war eine typische erste Runde. Der Gegner erwischt Luis auf dem falschen Fuß und spielt dann auch noch eine Reihe gute Züge. Man darf nicht immer erwarten, dass Elo-mäßig schlechtere Spieler einfach brav nach 20 Zügen aufgeben. Dazu vielleicht ein amüsantes Interview von Weltmeister Magnus Carlsen :


 In der zweiten Partie geht unsere Vorbereitung voll auf. Luis erhält eine Druckstellung und es ist eigentlich ein Spiel auf zwei Ergebnisse. Eigentlich. Wenn man dann an einer Stelle den Faden verliert und selbst den Kontrollverlust realisiert („Oh das habe ich übersehen, Ich sehe ich ja gar nichts mehr“) dann ist es meistens schon zu spät.
Klar ist, dass es kein Traumstart in diese EM war, aber das Turnier (zum Glück) noch sehr lang ist.
Neben dem Berliner Spitzenspieler Rafael Lagunow teilen wir auch mit Ex-Europameister Leonid Sawlin unser Appartement. Leonid konnte 2015 nach einer Niederlage in der ersten Runde letztendlich noch Europameister U16 werden.



Leonid Sawlin

Blitz mit dem Promi 🙂

Heute geht es gegen den Griechen Panagiotis-Athana Loukopoulos.
„Ich frag mich, wie ich das bei dem Partieformular auf diese Zeile quetschen soll“ waren Luis erste Worte beim Blick auf die Auslosung.

Hoffen wir, dass er nicht nur dieses Problem löst, sondern auch das Pünktchen mitnimmt.

Tag zu früh da!

Nach einer wahren Odyssee senden Luis und ich viele Grüße aus Mamaia! Kurzer Rückblick: „4:00 Uhr“ leuchtet auf dem Display meines Weckers auf, begleitet von einem ohrenbetäubenden Piepton. Dreißig Minuten später sitzen wir im Auto Richtung Flughafen. Von Hamburg geht es nach Frankfurt – von dort weiter nach Bukarest.



Herzliche Begrüßung in Frankfurt

Das mein Outfit schlecht gewählt ist, merke ich beim Marsch aus dem Flieger. Der Hertha-Pulli scheint für das rumänische Wetter nicht geeignet. Spätestens während der gut dreistündigen Busfahrt ist klar, dass der schweißdurchtränkte Stoff nur noch als Duschmatte fungieren kann. Letztendlich kommen wir doch noch irgendwie an.

Der Deutsche Schachbund hat sich vorbildlich früh um die Organisation der EM gekümmert. Leider so früh, dass der Termin auf der FIDE – Webseite wohl noch nicht endgültig war. Der Hotelkomplex war bis auf uns frei von Schachspielern. Somit konnten wir den Sonntag noch nutzen, um uns das 4 Sterne Resort genauer anzuschauen.
Es macht wirklich einen guten Eindruck:

großzügiges Wohnzimmer



Bei Vollpension wird die Küche wohl eher als Deko dienen 🙂

Unsere Terrasse bietet einen guten Ausblick auf die verschiedenen Pools. Die Hälfte haben wir schon getestet.

Apropos Terrasse! Luis konnte mich in den bisher knapp 30 gespielten Blitzpartien gut in Schach halten. Eine meiner wenigen Gewinnpartien wurde aber ZUFÄLLIG dokumentiert 🙂

Trotz der zwei Schwarzen Damen kann Weiß mittels Tee1! nebst Abtausch einer Tante auf g6 und Durchmarsch des d-Bauern gewinnen.

Heute um 15 Uhr wird es dann endlich ernst. Die Auslosung beschert Luis den Kroaten Oliver Kukas (ELO 2095) mit Schwarz. Die Vorbereitung steht und wir hoffen auf einen Auftaktsieg!

In Bestform zur EM nach Rumänien!

Das Projekt #Luiswirdweltmeister geht weiter! Vom 04. bis 15. September 2017 nimmt Luis an der Europameisterschaft in Mamaia (Rumänien) teil. Es sind also nicht mal zwei Monate bis zum Griff nach den Sternen. Es fällt mir sehr schwer die Euphorie zu bremsen. Seit der Deutschen Meisterschaft der Männer (!) darf sich Luis Meisteranwärter nennen. In überzeugender Manier konnte er seine erste IM – Norm erzielen.


bärenstarke Besetzung und trotzdem Tuchfühlung zur Spitze!

Luis hat für euch seine größte Perle des Turniers kommentiert. Überlassen wir also dem Meister das Wort:

Engel,Luis (2319) – Kalinitschew,Sergey (2437)
DEM 2017 Apolda

Nach einem guten Start ( 2,5 / 4 ) traf ich in der 5. Runde auf den Berliner Großmeister Sergey Kalinitschew. Ich stellte mich auf einen blutigen Kampf ein und Dieser sollte es auch werden …
1.e4 c5 2.Sf3 g6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sc6 5.c4 Lg7 6.Sc2 d6 7.Le2 Sf6 8.Sc3 0–0 9.Le3 Sd7 10.Dd2 Sc5 11.f3 a5 12.h4!?

Eine interessante Neuerung. Ohne Risiken einzugehen beginnt weiß, den schwarzen König anzugreifen. Ein ähnliches Vorgehen konnte ich bei einer Partie von Caruana entdecken.
12…f5 Schon die erste Ungenauigkeit, obwohl der Zug sehr menschlich ist.
[12…h5 Diesen seltsamen Zug schlägt der Computer vor und sagt „Ausgleich“. Allerdings bekommt weiß auch hier nach 13.0–0–0 Mit der Idee g4 starken Angriff]
13.h5 Tf7?! Ein weiterer ungenauer Zug, aber die Stellung war ohnehin schwierig für Schwarz
14.0–0–0 Gewinnt dank der Drohung Lxc5 ein Tempo
14…Df8 15.hxg6 hxg6 16.exf5 gxf5

Die anderen Schlagmöglichkeiten sind keinesfalls besser, z.B.
[16…Lxf5 17.g4 Le6 18.Sd5±]
17.Th4!?
Verhindert die schwarze Idee 17…f4 und bereitet die Turmverdopplung auf der h-Linie vor. Allerdings gab es eine noch stärkere Alternative, und zwar
[17.f4! Nun kommt der weißfeldrige Läufer sehr stark über h5 oder f3 ins Spiel]
17…Se5 Schwarz nutzt die Chance, seinen Springer zu aktivieren.
18.f4 Sg4 [18…Sg6 Hier steht der Springer ungünstig: 19.Th2! Lh5 liegt bereits in der Luft]
19.Ld4 e5 20.Lg1 Zu dem schwachen König kommt jetzt auch noch eine positionelle Ruine hinzu. Die Partie ist entschieden
20…Ta6 21.Se3!? Tauscht die einzige schlechte weiße Figur ab. Allerdings gab es wieder mehrere gute Alternativen:
[21.Kb1; 21.Sd5]
21…Sf6 22.Sed5

22…Le6?? Nach diesem Einsteller ist die Partie sofort zuende. Aber auch nach anderen Zügen steht Schwarz auf Verlust; der König ist zu schwach und es droht u.a. Le3 n. Th1 und fxe5.
23.Lxc5! Der Gewinnzug!
23…dxc5 24.fxe5 und der Springer hat kein vernünftiges Feld.
24…Sh7 [24…Sg4 25.Lxg4 fxg4 26.Tdh1+–]
25.Lh5! Beginnt, den Springer einzukassieren.
25…Td7 26.Lg6 Lxe5 27.Tdh1

Nichts geht mehr.

27…Dg7 28.Txh7

1–0


Schnappschuss „Luis in Siegeslaune“ von Fotograph Klaus Steffan

Europameisterschaft in Mamaia.
Mamaia? Wo soll das denn sein?
Wikipedia gibt Aufschluss: Mamaia liegt auf einer etwa sieben Kilometer langen und ca. 350 Meter breiten Landzunge zwischen dem Schwarzen Meer und dem Süßwassersee Siut-Ghiol oder auch Kanara-See genannt.Die Schwarzmeerküste von Mamaia hat zwischen 40 und 300 m breite, helle und feine Mineral- und Muschelsandsteinstrände, die lang und ausgedehnt sind. Die Strände fallen hier seicht ins Meer ab und sind daher bei Familien mit Kindern beliebt. Hinter den Stränden verläuft sogleich die Promenade mit verschiedensten Restaurants, Cafés, Eisdielen und sonstiger Geschäfte sowie Banken, Post, Apotheken usw. Dahinter befindet sich zum Teil ein reicher Baumbestand.

Klingt ja nach optimalen Rahmenbedingungen! Die Bilder auf der Turnierseite (https://ecuyouth2017.ro) sehen auch vielversprechend aus:


Vom Balkon in den Pool?

Seit der Weltmeisterschaft 2012 hat es Luis kontinuierlich geschafft, sich für eine Welt- oder Europameisterschaft zu qualifizieren. Der Blog verzeichnet seit dem Launch knapp 50 000 Zugriffe aus 65 verschiedenen Ländern.
Der aufmerksame Leser hat sicherlich schon die Unterstützer – Liste auf der rechten Seite gesehen. Wir freuen uns sehr über die rege Bereitschaft, sich aktiv an diesem Projekt zu beteiligen. Neben den öffentlich zu findenden Sponsoren haben sich auch mehrere Privatpersonen engagiert. Vielen Dank dafür!
Falls Sie sich angesprochen fühlen, einen topmotivierten Schachspieler für eine Europameisterschaft zu unterstützen, würden wir uns sehr über eine Kontaktaufnahme freuen!