Douglas Costa, Schalke und die Angst vor der 0

Am Titel lässt sich erahnen, dass wir auch in Griechenland die Möglichkeit gefunden haben den DFB – Pokal zu verfolgen. Auch die Partien von Luis und Jakob lassen sich mit Vokabeln aus dem Fußball gut beschreiben. Vor allem auch eine Hilfe für alle Blogleser, die dem königlichen Spiel ansonsten nicht so nah stehen. Um es kurz zu machen: Die 3.Runde war eine absolute Bayern – Gala der beiden. Jakob spielte seinen Französischen Gegner schwindelig. Schottisch mit 5.Sf5 ist sicher nicht wasserfest, aber als Überraschung gut geeignet. Nach 15 Zügen war eigentlich schon alles vorbei und Jakob verwertete den Vorteil sicher. Luis, der einen etwas schweren Turnierstart erwischte, überrannte die schwarze Stellung wie ein Douglas Costa.

Durch eine Zugumstellung konnte er den Argentinier Lucas Coro in die Königsindische Verteidigung locken. Dort hatten wir vor der Partie eine Idee vom Chinesischen TOP Großmeister Li Chao aufgegriffen, um die Verteidigung zu knacken.

Der Plan ging auf und Luis konnte früh Material gewinnen. Seine Verwertung ähnelt der 2.Halbzeit des Bayern Spiels: kein Risiko und trotzdem sehenswert.

Dougl.. ähh Luis gegen Lucas Coro

Leider war gestern der Wurm drinn. Jakob zwar weiter in „Costa – Form“, allerdings nur vom Spieltempo.Eigentlich ohne Probleme nach der Eröffnung, knallte er die Züge auch im Mittelspiel aufs Brett. So übersah er eine Öffnung der Stellung, die seinem König in der Brettmitte nicht gut tat. Schade Schokolade.
Luis hatte mit dem Schalke Syndrom zu kämpfen. Eigentlich wieder den Gegner positionell nach belieben überspielt. Viele verlockende Möglichkeiten, aber irgendwie nicht den Sack zu gemacht. „Wer sie vorne nicht macht, bekommt sie hinten rein“. Von dieser Weisheit schien auch Luis zu wissen. Die letzte Chance den Gegner vor Probleme zu stellen barg auch ein gewisses Risiko vielleicht sogar noch zu verlieren. Er steuerte den sicheren Remishafen an. Eine Entscheidung mit der er im Nachhinein jedoch etwas haderte.

Das Schalke Syndrom 🙂

Zur Zeit läuft die 5. Runde. Ich sitze gespannt in der Hotellobby (im Zimmer funktioniert das Wlan sehr schleppend) und schlürfe am teuersten Cappuccino meines Lebens (5,50€). Morgen ist Ruhetag. Aus diesem Grund werden wir heute bei der „White – Party“ in der Hoteldisco aufschlagen 🙂

Zum Abschluss des heutigen Berichts ein Bild von einer Blitzpartie gegen Neu – IM Franz Bräuer. Im Hintergrund übrigens Nationalspielerin Elisabeth Pähtz bei der Vorbereitung mit Josephine Heinemann.

Luis und Jakob sind noch nicht aufgetaucht, also weiter das Beste hoffen und vielleicht noch einen Cappuccino!

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Back to Business – Weltmeisterschaft in Griechenland gestartet!

Vom 24.10. bis 06.11. werden die neuen Schachweltmeister der Altersklassen U8 – U18 in Halkidiki ausgespielt. Die Deutsche Delegation besteht aus knapp 80 Personen und ist im 5 Sterne „Porto Carras Grand Resort“ untergebracht.

Das Hotel macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Großzügige Zimmer, wohlschmeckendes Buffet, gemütliche Lobby und direkten Zugang zum Strand.

Standardzimmer

Ich trainiere in diesem Jahr neben Luis auch noch U10 Top – Talent Jakob Weihrauch vom Hamburger Schachklub. Da beide im vorderen Mittelfeld (um die 40) gesetzt sind, ist auch die Zielstellung gleich: Erfrischendes Schach ohne Angst und schauen wie viele Punkte am Ende herausspringen. Jakob hat mit 1,5/2 einen guten Start erwischt. In der ersten Runde konnte er dem deutlich schwächeren Gegner in der Eröffnung eine Figur abnehmen und verwertete den Vorteil solide. In der 2.Partie traf er auf die Nummer 3 der Setzliste – Isik Chan aus der Türkei. Die Vorbereitung gestaltete sich relativ einfach. Gegen den Najdorf spielt Chan ausschließlich 6.Lg5 worauf wir Sbd7 planten. Jakob konnte sich in der Partie gut an das erlernte erinnern und kam ohne Probleme aus der Eröffnung. In einer sehr unklaren Stellung fühlten sich beide unwohl – also Hände schütteln und halben Punkt eintüten!

Luis konnte noch keine Partie gewinnen, hat aber auch noch nicht verloren. Die Partien liefen relativ ähnlich. Beide Gegner wollten nicht unbedingt gewinnen und „mauerten“. Leider erfolgreich. Ohne große Fehler ist Schach eben Remis 🙂

Runde 1 gegen Harry Zhao aus Canada

Keine Partien vom Gegner, also besser Fußball spielen!

Heute treffen beide auf schlagbare Gegner und sind gut vorbereitet. Abschließen möchte ich den ersten Blogeintrag aus Griechenland mit der üblichen Bitte die Daumen zu drücken!

αντίο για τώρα!

Griechenland doch nicht pleite?

Luis in der Weltspitze angekommen!

Die Weltmeisterschaft in Südafrika ist nun seit 2 Tagen Geschichte. Luis konnte sich mit sehr guten 1,5/3 gegen starke Gegner behaupten. Er ist nicht nur wieder bester Deutscher U12 Spieler geworden, sondern hat auch den mit Abstand größten Elozuwachs der ganzen Delegation (95,5 Punkte!!!). Ich kann mich nicht mal erinnern, wann ich mal so viele Punkte gewonnen habe…

Bevor ich allerdings nun die letzten Runden Revue passieren lasse hier noch die versprochene Analyse von Luis gegen die Nummer 1 der Welt:

 

Engel – Awonder

1. e4 c5 2. Nf3 e6 3. b3 a6 4. Bb2 Nc6 5. c4 Qc7 6. Be2 Nf6 7. Nc3 Bd6 8. O-O
O-O 9. g3 Rd8 10. d3 b6 11. Nh4 Be5 12. f4 Bd4+ 13. Kh1 Bb7 {Hier steht
Schwarz schon leicht besser, weil er d4 verhindert hat.} 14. Bf3 d6 15. Qe2 Qe7
16. Bg2 Rab8 17. Nf3 b5 18. Nxd4 cxd4 19. Nd1 Nd7 20. Nf2 Nc5 21. Qd2 Ba8 22.
cxb5 axb5 23. Rfc1 b4 24. Rc2 f6 25. Rac1 e5 {Ab hier hat Schwarz die Lage
voll im Griff, denn die weißen Läufer sind tot.} 26. fxe5 fxe5 27. Bh3 Bb7 28.
Qe2 Bc8 29. Rf1 Rf8 30. Bxc8 Rbxc8 31. Rc4 $2 {Jetzt steht Weiß auf Verlust!
Lc1 wäre besser gewesen.} Ra8 32. Bc1 Qa7 33. a3 $2 {Die einzige Chance
bestand in Tc2.} Rab8 (33… bxa3 34. b4 a2 35. Bb2 Na4 $1 {wäre auch möglich
gewesen.}) 34. axb4 Rxb4 35. Qc2 Rfb8 36. Rxb4 Rxb4 $2 37. Nd1 $2 {Hier macht
Sg4 Remis! Deswegen wäre …36. Sb4 besser gewesen!} h6 38. Bd2 Rxb3 39. Qc4+
Kh7 40. Nf2 Rb2 41. Bxh6 $5 {Dieser Zug verursacht Chaos und bringt den Gegner
aus dem Konzept, verliert aber objektiv glatt!} Kxh6 $4 {Dieser Zug stellt die
Partie einzügig ein! Nach gh6! Sg4 Da2! erlischt das weiße Strohfeuer rasch.}
42. Qc1+ $1 Kh7 43. Qxb2 Qf7 44. Qe2 Nb4 45. h4 Na2 46. Nh3 Nc3 47. Qg2 Qe7 48.
Ng5+ Kg8 49. Qf3 Ne6 50. Qh5 Nxg5 51. hxg5 Ne2 {Ein letzter Trick ( g6?? Sxg3+
mit Gabel).} 52. Qxe2 {Und das Spiel ist aus.} Qxg5 53. Qf3 Qd2 54. Rb1 Qh6+
55. Kg1 Kh7 56. Qf5+ 1-0

Der Chinese in Runde 9 hatte zwar ein Geschenk für Luis dabei, der Punkt blieb aber leider im „Land des Lächelns“.

Luis gegen Chenxi

Es war trotzdem Luis stärkste Partie. Wir bereiteten eine sehr seltene Variante im Schottisch vor (5.Sf5) um auf den Überraschungseffekt zu setzen. Dieser Plan ging voll auf. Der Gegner überlegte über eine halbe Stunde und fand sich trotzdem in einer nicht beneidenswerten Lage wieder. Luis setzte alles auf eine Karte und fand erst ein Bauernopfer um kurz danach noch eine Figur ins Geschäft zu stecken. Sehr mutig gespielt und objektiv sogar korrekt! Wie es in solchen Stellungen nun mal so ist, muss man dann auch jede Fortsetzung finden. Luis spielte leider einmal zwar einen vielversprechend aussehenden Zug, der aber bei genauer Verteidigung forciert verlor. Der Chinese Chenxi fand die Ressource und sicherte sich den Punkt. So hart ist das königliche Spiel manchmal!

Viel Zeit für große Trauer war aber nicht, da am nächsten Vormittag schon Fußball am Strand stattfand.

Die windigen Verhältnisse ließen zwar den ganz großen Zauber nicht zu, Spaß gemacht hat es aber trotzdem.

Am Nachmittag sah auch auf dem Brett die Welt wieder anders aus. Seit langem mal wieder ein schlechter eingeschätzter Gegner, welcher auch souverän geschlagen wurde.

Back on Track gegen den Kanadier Sergey Noritsyn

Große Augen machten wir wieder bei der Auslosung für die Schlussrunde. Die Nummer 3 Setzliste, Kiril Shevchenko, wartete auf Luis. Natürlich könnte man sich für die Schlussrunde einen leichteren Gegner wünschen.

Zum Beispiel mich 🙂

Shevchenko kannte seinen Najdorf sehr gut und stellte Luis schon früh vor große Probleme. „Luigi“ erkannte die Gefahr und wich glücklicherweise der Stammpartie von Wojtazek ab. Der Ukrainer fand wiederum nicht die beste Erwiderung und bot schon eine Zugwiederholung an. Ich kann jeden verstehen der dieses Angebot direkt annimmt. Luis allerdings hatte andere Pläne und versuchte noch etwas. Wenig später musste sich unser Held dann allerdings doch dem Remis beugen und die, nur durch diese Partie gewonnenen, 14 Elo Punkte einstreichen.

Engel – Shevchenko

Das Schweizer System meinte es sehr oft nicht gut mit Luis in diesem Turnier. Am Ende steht ein 18.Platz, welcher zwar ein super Ergebnis (6 Plätze über Setzplatz) ist, trotzdem aber die wahre Leistung unseres Helden nicht wiederspiegelt. Luis hat das ganze Turnier vorne mitgespielt und bei 11 Runden nur 3(!) schlechtere Gegner gehabt. Nach seiner Performance würde er den 7.Platz belegen, welches seinem Turnierniveau schon eher entsprechen würde. Er hat gegen die Setzlistennummern : 1,3,5,7 insgesamt 3/4 erzielt!!!

Gefeiert wurde dieses Ergebnis mit einem Großteil der Delegation am letzten Abend bei einem kleinen (eigentlich eher großen) „Come Together“ in Jonnys Zimmer.Die jüngeren blitzten mit den Älteren (Luis bezwang U18 Silbermedalliengewinnern Filiz) und sogar die Prinzen stellten sich. Auch die anwesenden Eltern waren beeindruckt von der Atmosphäre – und das obwohl man Holländer und Franzosen gesehen haben soll 🙂

Ich freue mich sehr das der Blog wieder so gut angenommen wurde. Besucher aus Malta, den USA, Canada, GB, Spanien, Österreich und vielen weiteren Ländern scheinen Luis die Daumen gedrückt zu haben!
Bei all dieser Unterstützung scheint es zwar ein langer, jedoch kein steiniger Weg..

Luis klatscht die Nummer 1 der Welt!

Luis hats gepackt! In einer sehr komplizierten Partie schlägt Luis den an Nummer 1 gesetzten FM Liang Awonder. Zwischenzeitlich sah es nicht so rosig aus. Mit einem letzten Opfer versuchte unser Held noch das Brett in Flammen zu setzen und wurde für sein Risiko belohnt! Luis wird heute Abend die Partie für euch noch kommentieren, sodass sie im nächsten Beitrag erscheinen wird.

Engel – Awonder

Gestern ging es dann gegen den Inder Rahul Srivatshav.

Die Ruhe vor dem Sturm

Diese Partie hatte es in sich. Erst wurde Luis in der Eröffnung vom eher ungewöhnlichen 1.Sc3 überrascht, konnte dann allerdings allmählich positionellen Vorteil erreichen(guter Springer gegen schlechten Läufer). Srivatshav hatte allerdings starken Angriff. Nach großen Opfer – und Tauschaktionen stand ein Endspiel mit Mehrqualität (für Luis) auf dem Brett, in dem allerdings der Inder noch über einen gefährlichen Freibauern verfügte. Die Programme schätzten die Stellung als völlig ausgeglichen ein und auch eine Zugwiederholung war schon möglich. Luis blieb aber dem Motto „Was würde Magnus Carlsen machen?“ treu und versuchte alles zu gewinnen. Leider schätzte er das Rückopfer seines Turmes falsch und und war hoffnungslos verloren. Doch auch diesmal lächelte ihm die Schachgöttin Caissa zu..

Srivatshav – Engel

Nach Ke7 hätte Luis seinen König einfach umlegen müssen. Der Inder spielte allerdings „nach 1 Sekunde mit großem Bums“ Txg3?? und musste seinerseits nach Txg3?! d8=D Td3 ums Remis kämpfen. Statt Txg3 zeigt die Blechbüchse das unglaubliche Kxb2 Txd3 cxd3 d8=D Kc2 =+ an! Das wäre allerdings auch zu viel des Guten gewesen 🙂

Heute spielt Luis gegen den Chinesen Zhao Chenxi mit Weiß. Erstmals standen uns die neuen stylischen Figuren zur Verfügung. Sollte also alles klar gehen!

Also bitte weiter Daumen drücken!!

Die Deutsche Delegation

Der Trainer war da leider beschäftigt…

Halbzeit in Durban

Mittlerweile sind 6 Runden gespielt und Luis steht mit sehr guten 4/6 auf dem 23.Platz. Gegen den vorher schier übermächtigen Ex – Weltmeister (damals mit überlegenen 11/11) spielte Luis eine sehr solide Partie.

“ Luis Engels Partie gestern hat mich sehr überzeugt. Für einen 12-jährigen ist das „Stillsitzen“ in so einer festungsartigen Stellung schon beeindruckend – auch sonst sehr wenige Fehler.“ Diesen Gedanken eines Users in einem Schachforum ist wenig hinzuzufügen. Die „festungsartige Stellung“ war übrigens vorbereitet.

Nguyen – Engel

Stellung nach 25. .. Sd6. Auch wenn Schachprogramme Weiß großen Vorteil zugestehen ist die schwarze Stellung sehr stabil. Luis hatte, bedingt durch den Inkrement, mehr Zeit als am Anfang auf der Uhr.


Analyseküche Zimmer 1413

Auch die Vietnamesische Fangemeinde von Khoi Anh Ngyuen merkte, dass es knapp werden könnte…

Die Partie dauerte zwar noch 29 weitere Züge, spannend wurde es allerdings nicht mehr. Nach gut 4 Stunden kam es zum friedlichen Handshake.


strenge Blicke 🙂

In der 5. Runde wartete dann der an 11 gesetzte Chinese FM Yu Kaifeng. Diese turbulente Partie, mit Höhen und Tiefen, hat Luis für euch kommentiert:

[Event „WYCC Durban 2014“]
[Site „?“]
[Date „2014.09.24“]
[Round „5“]
[White „Engel, Luis“]
[Black „Yu, Kaifeng“]
[Result „1/2-1/2“]
[ECO „A31“]
[WhiteElo „1984“]
[BlackElo „2122“]
[Annotator „Luis Engel“]
[PlyCount „81“]

1. e4 c5 2. Nf3 d6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nf6 5. f3 {Gebräuchlicher ist hier Sc3,
aber diese Variante ist als Überraschung gut geeignet.} a6 6. c4 e6 7. Nc3 Be7
8. Be2 Qc7 9. Be3 O-O 10. Qd2 b6 11. O-O Bb7 12. Rac1 $6 {Besser ist hier
Tfc1! mit der Idee a2-a4-a5.} Nbd7 13. Rfd1 Rac8 14. Bf1 Qb8 15. b3 Bd8 16. g3
Bc7 17. b4 Qa8 18. Nb3 Ne5 19. Qe2 {Hier ist offentsichtlich etwas
schiefgelaufen…} d5 $2 {…aber dieser Zug kommt verfrüht und bringt Weiß
wieder auf die Spur.} 20. cxd5 exd5 21. f4 $1 Neg4 22. e5 Nxe3 23. Qxe3 Ne4 24.
Nxe4 dxe4 25. Bh3 $1 Rcd8 26. Nd4 $1 {Der einzige Zug, der den klaren Vorteil
festhält!} Bb8 27. e6 $1 {Erstaunlich, dass diese Partie noch Remis ausgeht,
denn die schwarze Stellung scheint schon hier aus den Fugen zu krachen.} Rfe8
28. exf7+ Kxf7 29. Nb3 $4 {Exakt 10 Züge gewinnen hier! Ich kann gar nicht
erklären, wie ich auf diesen miserablen Zug gekommen bin! Unter Tempoverlust
entfernt sich der Springer vom gegnerischen König und lässt den Tausch eines
Turmpaars zu.} Rxd1+ 30. Rxd1 Bd5 31. Bg2 $6 ({Die letzte Gewinnchance war
hier…} 31. Qd4 $1 Rd8 32. Be6+ $3 Kxe6 33. Qxg7 Kd6 34. Qe5+ Kc6 {Diese
Stellung hatte ich in meinem geistigen Auge, allerdings übersah ich den
Computerzug} 35. Qe7 $3 {Mit völliger Gewinnstellung.}) 31… Bc7 32. Qc3 Re7
33. Nd4 g6 34. Nc2 Qc6 35. Qxc6 Bxc6 36. Ne3 Re6 37. Bf1 b5 38. Kf2 h6 39. h4
g5 40. hxg5 hxg5 41. fxg5 $11 {Die Verteidigung dieser leicht schlechteren
Stellung ersparte ich mir mit einem Remisangebot.} 1/2-1/2

Die Nachmittagsrunde verlief dann leider überraschend einseitig. Der Inder FM Rand Aravind kam mit der geschlossenen Struktur besser zurecht und überspielte Luis klar. Mit erfrischenden 45 Elo Punkten Plus auf dem Konto hieß es dann erstmal den Ruhetag zu genießen. Leider haben wir aus Sicherheitsgründen keine Kamera zu unserem Strandpromenaden Walk genommen ( mittlerweile schon 8 Überfälle bekannt).
Ein Blick aus unserem Zimmer muss also vorerst genügen:

Die Auslosung am Abend sorgte für großes Erstaunen. Luis spielt mit Weiß gegen den an 1 gesetzten Amerikaner Liang Awonder (Elo 2322). Für die Tabelle natürlich ein sehr unglückliches Los, da die Buchholzwertung nicht von Bedeutung ist (Anzahl der Siege als 1.Feinwertung). Allerdings die nächste Chance sich gegen einen starken Gegner zu beweisen.

Also ab 16 Uhr wieder Live die Daumen drücken!

Luis spielt sich in einen Rausch!

Wahnsinn! Den gestrigen Tag in einem Blogeintrag in Worte zu fassen ist nicht leicht. Ohne schmalzig werden zu wollen (ok der letzte Satz triefte..) war es wirklich ein Wechselbad der Gefühle.
Um es vorweg zu nehmen: Luis steht bei sagenhaften 3/3!!!

Der Norweger in Runde 2 wurde im Stile einer Maschine abgefertigt – „Ich schlage jede Figur von dir und hoffe das ich nicht Matt bin“.

Kizatbay – Engel, Stellung nach 27. Kh2

Als wir die Partie analysierten stockte mir hier kurz der Atem. Hat Luis es mit dem Einsammeln von Material vielleicht doch übertrieben? NEIN! Er spielte einfach g5(!!) und 0-1.

Somit war klar das es mit 2 Punkten aus 2 Partien wohl einen sehr starken Gegner geben würde. Da die Paarungen für den Nachmittag noch auf sich warten ließen, lief die Vorbereitung etwas anders ab…

Wer sich jetzt wundert wie das Bild unserer Duscheinrichtung mit den Köstlichkeiten darüber zusammen passt : Luis war mit einer solchen Kalt/Warm Einstellung des Wassers noch nicht vertraut und ging davon aus, dass mann sich morgens entscheiden müsse, wie man denn nun duscht 🙂

Er schien sich für den Tag jedoch richtig entschieden zu haben. Die Auslosung bescherte Luis die Nummer 7 der Setzliste, den Amerikaner Praveen Balakrishnan. 200 Elo Punkten mehr – ein richtiger Brocken. Im Vorfeld der Weltmeisterschaft haben wir uns schon die Eröffnungen der ersten Zehn der Setzliste angeschaut, um auf solche spät erscheinenden Paarungen vorbereitet zu sein. Dies erwies sich als gut, da wir uns so langes suchen ersparten und uns direkt der Caro Kann Verteidigung widmen konnten.

frohen Mutes am Livebrett!

Die Eröffnung kam auch so aufs Brett, allerdings vergaß Luis eine Nebenvariante und stand relativ flott mit dem Rücken zur Wand. Auf dem Gang konnten Papa Ulrich und ich die Partie auf dem Smartphone verfolgen – die ersten 4 Stunden war es wahrlich kein Vergnügen.

Engel – Balakrishnan, Stellung nach 41… Td1

Luis hat nicht nur einen Bauern weniger, sondern auch noch einen Figurenknoten. Er entfesselte sich hier mit 42. Txf5 Txe1 43. Txe5 und plötzlich ist Schwarz gefesselt und Luis steht aktiv. Natürlich sollte Schwarz bei genauem Spiel immernoch die Oberhand behalten. Der Amy machte erst ein paar unbedachte Züge und Luis gewann erst den b7 und danach den g7 Bauern. In großer Zeitnot verlor Balakrishnan noch komplett den Faden und verlor eine Remisstellung. Nach 5 langen dramatischen Stunden stand der dritte Punkt fest!

gekämpft wie ein Löwe

Heute wartet ein Hammerlos! Es geht gegen den Vietnamesen Nguyen Anh Khoi. Bei Luis erstem großen Internationalen Auftritt, bei der WM in Maribor vor 2 Jahren, wurde Anh Khoi mit unfassbaren 11/11 Weltmeister! Die Vorbereitung für heute steht schon, sodass wir es uns nun am Strand gut gehen lassen 🙂

Wir freuen uns übrigens sehr über all die positiven Reaktionen und hoffen auf heutiges Daumen drücken.
Bei Luis derzeitiger Form ist eine Sensation auf jeden Fall möglich!

Luis beim obligatorischen morgendlichen Taktiktraining bei Chess24

Willkommen im Paradies!

9:30 Uhr, Durban! Es fällt mir nicht leicht meinen Blick auf den Bildschirm zu richten, da immer wieder die Aussicht aus dem Panorama Fenster auf das Meer lockt. Vom 14.Stock des Hotels wirklich nett.


Auch ist es der erste Morgen an dem ich im vollen Besitz meiner Kräfte bin. Die letzten zwei Tage waren hart. Donnerstag flogen wir, mit viel Vorfreude im Gepäck, endlich zur Weltmeisterschaft nach Südafrika. Von Hamburg nach Durban, mit mehrstündigem Aufenthalt in Dubai. Das Gefühl des Neides beim lesen des letzten Satzes kann ruhig wieder verschwinden. Abgesehen vom Flughafen sahen wir nichts von der größten Stadt der Arabischen Emirate. Schlaftrunken suchten wir uns ein Plätzchen und Luis packte sein Schachbrett aus … Ich konnte den zukünftigen Weltmeister mit 5:1 in die Schranken weisen und mir damit die Autorität für die nächsten Tage sichern 🙂

mit Emirates sicher ans Ziel

Am Freitag gegen 18 Uhr landeten wir in Durban und ein Shuttle brachte uns zum Hotel. Die Qualität lässt sich mit „Ok“ ganz gut beschreiben.  Nichts außergewöhnliches aber alles da was man braucht. Luis und Papa Ulrich fielen ins Bett und ich gönnte mir noch ein Schlummergetränk in der gegenüberliegenden Disco. Gestern wurde es dann ernst. Nach dem ausgiebigen Frühstück, welches keine Wünsche offen lässt, traf sich die Deutsche Delegation zur Besprechung.

man kann also den ganzen Tag essen…

Leiter Bernd Vökler berichtete vom Technical Meeting und klärte alle offenen Fragen. „Wie verständige ich mich mit meinem Gegner?“, „Wie reklamiere ich eine dreifache Stellungswiederholung?“ “ Warum liegen schon 11 Partieformulare am Brett?“ um nur ein paar zu nennen. Trainern und Begleitpersonen ist es nicht gestattet den Spielsaal während der Runde zu betreten. Um möglichen Betrug zu verhindern und für Ruhe zu sorgen – vielleicht ganz gut so.

Spieler dürfen rein, Trainer bleiben draußen!

Über die Eröffnungsfeier gibt es eigentlich nicht viel zu berichten. Die üblichen Reden von Funktionären und eine traditionelle Tanzgruppe. Gänsehautstimmung kam dann beim abspielen der Südafrikanischen Nationalhymne auf. Kinder aus über 90 Nationen erhoben sich von ihrem Brett und das „Südafrika Feeling“ erwischte wirklich jeden.

Gänsehaut!

Für eine direkte Abkühlung sorgte dann allerdings die darauf folgende Fide Hymne. Ich hatte beim Lauschen dieser Klänge irgendwie nur noch das Wort „Korruption“ im Kopf…

16 Uhr fiel dann endlich der Startschuss zur 1. Runde. Luis, mit der Setzlistennummer 24 ausgestattet, traf mit Weiß auf den Griechen Iasonas Kafetzis (ELO 1280).

Der Spielstil seines Gegners glich der Griechischen Wirtschaftslage. Erst konnte Luis das Läuferpaar sein Eigen nennen, dann einen Bauern gewinnen und schließlich mit seinen Figuren so eine dominante Stellung erreichen, dass Kaftetzis keine Lust mehr hatte den Trümmerhaufen zu verteidigen und aufgab. Ein guter Auftakt!

abgekämpft aber mit dem ersten Sieg!

Am Abend wollten wir den verlorenen Schlaf der letzten Tage nachholen. Selbst bei geschlossenem Fenster hörten wir allerdings Fangesänge und die fast schon in Vergessenheit geratenen Vuvuzelas. Das Derby zwischen den Kaizer Chiefs und den Pirates verfolgten wir dann allerdings nur im Fernsehen, auch wenn die Party am Strand wirklich sehr einladend wirkte 🙂

Seit 10 Uhr läuft die zweite Runde und Luis trifft auf Abyl Kizatbay. Woher könnte der Spieler wohl kommen? Na klar, aus Norwegen!

Da heute eine Doppelrunde (Runde 3: 17 Uhr) stattfindet wird es wohl stressig. Drückt also die Daumen, dass zum einen Luis mit möglichst vielen Punkten den Tag übersteht und zum anderen mir, jetzt nicht auf dem Weg zum Spielsaal überfallen zu werden.

Das Internationale Kongresszentrum Durban dient als Spielsaal

Jugendweltmeisterschaft Durban 2014!

Es geht nach Südafrika! Der Startschuss fällt in gut einem Monat und die Vorfreude ist jetzt schon riesig. Nach dem Luis in einem Herzschlagfinale Deutscher Meister U12 geworden ist (ungeschlagen und hochverdient) hat er sich direkt für dieses Event qualifiziert.

Deutscher Meister U12, Luis Engel!

Seit der Jugend EM in Budva hat er seine Zahl von 1886 auf 2049 in die Höhe schießen lassen. Wer kann ihn noch stoppen?

vielleicht ein Hai?

Vielleicht ein Hai?

Ja, vor Haien wird extra gewarnt. Andere Umstände, dass Luis nicht Weltmeister werden sollte, kann ich mir zur Zeit nicht vorstellen. Dies liegt auch an der fehlenden Teilnehmerliste. Die offizielle Turnierseite (http://www.2014wycc.co.za/2014wycc/Home.html) gibt darüber noch keine Auskunft. Stattdessen aber interessante Informationen über Land und Leute. Ich weiß nicht wie oft ich dort das Wort „safety“ nun schon gelesen habe aber es scheint wirklich eine Rolle zu spielen. Spekulieren bringt jetzt nichts, also lieber mal ein Blick aufs bzw. vom Hotel:

Durban wird als Zentrum für Touristische Aktivitäten in Südafrika beschrieben. Auch wenn dies in meinem Kopf eher unzählige Verkaufsstände mit Trikots von bekannten Marken wie „Adidash“ oder „Niki“ hervorruft, scheint es dort anders zu sein.

Golden Mile

Ich hoffe es klappt vor Ort mit dem versprochenen Internet und ich kann hier berichten.

Europameisterschaft 2013 – Luis bester Deutscher!

Die Europameisterschaft ist nun seit 2 Tagen Geschichte. Somit genug Zeit das erlebte zu verarbeiten. Vor allem scheint das Essen doch Nachwirkungen bei mir hinterlassen zu haben – „Ein Gruß aus der Küche“ sozusagen. Diese Probleme verflüchtigen sich jedoch schnell bei einem Blick auf die Tabelle. Luis ist mit 5,5/9 bester Deutscher Teilnehmer in der Altersklasse U12.

In der 8. Runde lief der Ungar Adam Kozak in unsere Vorbereitung. Luis stand in der Italienischen Eröffnung sehr angenehm und konnte sich einen Mehrbauern erarbeiten. Kozak, mit einer Elo von 2195 an Nummer 4 gesetzt, verteidigte sich jedoch hartnäckig und konnte Gegendrohungen aufstellen. Auf einmal war die Stellung alles andere als klar. Die Schwarzen Figuren umringten Luis´ König und nur gerade so konnte er alle Angriffe parieren. Ein Generalabtausch mündete dann in ein ausgeglichenes Springerendspiel – Zeit zum Händeschütteln.

Das neue Wundergetränk immer mit dabei

Mit 4,5 aus 8 und einer Performance von 2011 war die Stimmung natürlich auf dem Höhepunkt. Trotzdem ist die letzte Runde immer etwas besonderes. Vor einem Jahr bei der Weltmeisterschaft in Maribor verlor Luis, nach sensationellem Turnier, die letzten beiden Partien. Die Niederlagen mussten erst einmal verdaut werden, bevor er sein Geleistetes zu verstehen begriff. Diesmal sollte es anders laufen. Sein ihm zugeloster Polnischer Gegner kam einfach nicht zur Partie.

Luis ohne Gegner

In Budva wurde mit Null Karenz gespielt. Wer also nicht pünktlich am Brett sitzt, hat verloren. Natürlich gibt es ein schöneres Ende für so ein Turnier. Aber dagegen kann man nichts machen. So konnte Luis den größten ELO Gewinn aller Deutschen konservieren: 44,4 Punkte!

Ich bin unendlich froh über dieses tolle Ergebnis. Seit Beginn seiner Schachkarriere im HSK vor 2 Jahren trainiere ich Luis nun schon. Christian Zickelbein machte mich auf den kleinen Jungen aufmerksam, welcher selbstständig die Schachzeitung las und bei dem die Augen beim erblicken taktischer Motive leuchteten. Von seiner Entwicklung kann man sich auf http://www.schachbund.de/spieler.html?pkz=10286900 selbst ein Bild machen. ich hoffe das in Zukunft die steile Entwicklungskurve weiter nach oben zeigt.

Die Stimmung in unserem Team war super! Papa Ulrich hatte alle organisatorischen Fäden in der Hand und Zwillingsbruder Robi hat sich nicht nur auf dem Fußballplatz einen Namen gemacht, sondern Luis bestmöglich moralisch unterstützt. Seine täglichen Berichte für die Schülerzeitung sind auch sehr lesenswert. Vielleicht sollte ich dafür nicht zu viel Werbung machen, sonst liest niemand mehr meinen Blog..

Vielen Dank für die ganze Unterstützung!

Felix Meißner

Party Party Party!

Der Sieg gegen FM Viktor Gazik musste natürlich erstmal gebührend gefeiert werden. Die erste Gewinnpartie gegen einen Titelträger! Die Stimmung konnte nicht besser sein. Selbst der komplette Fisch, mit Augen und allem was so im Inneren ist, den ich verspeisen musste (Wettschulden sind Ehrenschulden) schmeckte an diesem Tag außerordentlich gut.


An so einem Tag gewinnt sogar der HSV

Sonntag war dann leider die Luft etwas raus.

Wir wollten der gegnerischen Vorbereitung aus dem Weg gehen, sodass wir auf 1.. d6 vertrauten. Diese Eröffnung hat Luis noch nie zuvor gespielt, aber hey warum nicht?! „Hawkeye“ spielt ja auch so. Der Spanier kam allerdings ganz gut damit zu Recht, konnte Vorteil erreichen und später die Partie gewinnen. Auf jeden Fall kein Beinbruch, da er ja schließlich auch über 100 Punkte höher eingeschätzt war. Heute hat Luis schon wieder den stärksten aller möglichen Gegner zugelost bekommen – die Nummer 4 der Setzliste. In gut 3 Stunden geht es los, sodass wir jetzt dringend nochmal alles durchgehen müssen. Ich rieche heute irgendwie die Sensation 🙂