Luis spielt sich in einen Rausch!

Wahnsinn! Den gestrigen Tag in einem Blogeintrag in Worte zu fassen ist nicht leicht. Ohne schmalzig werden zu wollen (ok der letzte Satz triefte..) war es wirklich ein Wechselbad der Gefühle.
Um es vorweg zu nehmen: Luis steht bei sagenhaften 3/3!!!

Der Norweger in Runde 2 wurde im Stile einer Maschine abgefertigt – „Ich schlage jede Figur von dir und hoffe das ich nicht Matt bin“.

Kizatbay – Engel, Stellung nach 27. Kh2

Als wir die Partie analysierten stockte mir hier kurz der Atem. Hat Luis es mit dem Einsammeln von Material vielleicht doch übertrieben? NEIN! Er spielte einfach g5(!!) und 0-1.

Somit war klar das es mit 2 Punkten aus 2 Partien wohl einen sehr starken Gegner geben würde. Da die Paarungen für den Nachmittag noch auf sich warten ließen, lief die Vorbereitung etwas anders ab…

Wer sich jetzt wundert wie das Bild unserer Duscheinrichtung mit den Köstlichkeiten darüber zusammen passt : Luis war mit einer solchen Kalt/Warm Einstellung des Wassers noch nicht vertraut und ging davon aus, dass mann sich morgens entscheiden müsse, wie man denn nun duscht 🙂

Er schien sich für den Tag jedoch richtig entschieden zu haben. Die Auslosung bescherte Luis die Nummer 7 der Setzliste, den Amerikaner Praveen Balakrishnan. 200 Elo Punkten mehr – ein richtiger Brocken. Im Vorfeld der Weltmeisterschaft haben wir uns schon die Eröffnungen der ersten Zehn der Setzliste angeschaut, um auf solche spät erscheinenden Paarungen vorbereitet zu sein. Dies erwies sich als gut, da wir uns so langes suchen ersparten und uns direkt der Caro Kann Verteidigung widmen konnten.

frohen Mutes am Livebrett!

Die Eröffnung kam auch so aufs Brett, allerdings vergaß Luis eine Nebenvariante und stand relativ flott mit dem Rücken zur Wand. Auf dem Gang konnten Papa Ulrich und ich die Partie auf dem Smartphone verfolgen – die ersten 4 Stunden war es wahrlich kein Vergnügen.

Engel – Balakrishnan, Stellung nach 41… Td1

Luis hat nicht nur einen Bauern weniger, sondern auch noch einen Figurenknoten. Er entfesselte sich hier mit 42. Txf5 Txe1 43. Txe5 und plötzlich ist Schwarz gefesselt und Luis steht aktiv. Natürlich sollte Schwarz bei genauem Spiel immernoch die Oberhand behalten. Der Amy machte erst ein paar unbedachte Züge und Luis gewann erst den b7 und danach den g7 Bauern. In großer Zeitnot verlor Balakrishnan noch komplett den Faden und verlor eine Remisstellung. Nach 5 langen dramatischen Stunden stand der dritte Punkt fest!

gekämpft wie ein Löwe

Heute wartet ein Hammerlos! Es geht gegen den Vietnamesen Nguyen Anh Khoi. Bei Luis erstem großen Internationalen Auftritt, bei der WM in Maribor vor 2 Jahren, wurde Anh Khoi mit unfassbaren 11/11 Weltmeister! Die Vorbereitung für heute steht schon, sodass wir es uns nun am Strand gut gehen lassen 🙂

Wir freuen uns übrigens sehr über all die positiven Reaktionen und hoffen auf heutiges Daumen drücken.
Bei Luis derzeitiger Form ist eine Sensation auf jeden Fall möglich!

Luis beim obligatorischen morgendlichen Taktiktraining bei Chess24

Willkommen im Paradies!

9:30 Uhr, Durban! Es fällt mir nicht leicht meinen Blick auf den Bildschirm zu richten, da immer wieder die Aussicht aus dem Panorama Fenster auf das Meer lockt. Vom 14.Stock des Hotels wirklich nett.


Auch ist es der erste Morgen an dem ich im vollen Besitz meiner Kräfte bin. Die letzten zwei Tage waren hart. Donnerstag flogen wir, mit viel Vorfreude im Gepäck, endlich zur Weltmeisterschaft nach Südafrika. Von Hamburg nach Durban, mit mehrstündigem Aufenthalt in Dubai. Das Gefühl des Neides beim lesen des letzten Satzes kann ruhig wieder verschwinden. Abgesehen vom Flughafen sahen wir nichts von der größten Stadt der Arabischen Emirate. Schlaftrunken suchten wir uns ein Plätzchen und Luis packte sein Schachbrett aus … Ich konnte den zukünftigen Weltmeister mit 5:1 in die Schranken weisen und mir damit die Autorität für die nächsten Tage sichern 🙂

mit Emirates sicher ans Ziel

Am Freitag gegen 18 Uhr landeten wir in Durban und ein Shuttle brachte uns zum Hotel. Die Qualität lässt sich mit „Ok“ ganz gut beschreiben.  Nichts außergewöhnliches aber alles da was man braucht. Luis und Papa Ulrich fielen ins Bett und ich gönnte mir noch ein Schlummergetränk in der gegenüberliegenden Disco. Gestern wurde es dann ernst. Nach dem ausgiebigen Frühstück, welches keine Wünsche offen lässt, traf sich die Deutsche Delegation zur Besprechung.

man kann also den ganzen Tag essen…

Leiter Bernd Vökler berichtete vom Technical Meeting und klärte alle offenen Fragen. „Wie verständige ich mich mit meinem Gegner?“, „Wie reklamiere ich eine dreifache Stellungswiederholung?“ “ Warum liegen schon 11 Partieformulare am Brett?“ um nur ein paar zu nennen. Trainern und Begleitpersonen ist es nicht gestattet den Spielsaal während der Runde zu betreten. Um möglichen Betrug zu verhindern und für Ruhe zu sorgen – vielleicht ganz gut so.

Spieler dürfen rein, Trainer bleiben draußen!

Über die Eröffnungsfeier gibt es eigentlich nicht viel zu berichten. Die üblichen Reden von Funktionären und eine traditionelle Tanzgruppe. Gänsehautstimmung kam dann beim abspielen der Südafrikanischen Nationalhymne auf. Kinder aus über 90 Nationen erhoben sich von ihrem Brett und das „Südafrika Feeling“ erwischte wirklich jeden.

Gänsehaut!

Für eine direkte Abkühlung sorgte dann allerdings die darauf folgende Fide Hymne. Ich hatte beim Lauschen dieser Klänge irgendwie nur noch das Wort „Korruption“ im Kopf…

16 Uhr fiel dann endlich der Startschuss zur 1. Runde. Luis, mit der Setzlistennummer 24 ausgestattet, traf mit Weiß auf den Griechen Iasonas Kafetzis (ELO 1280).

Der Spielstil seines Gegners glich der Griechischen Wirtschaftslage. Erst konnte Luis das Läuferpaar sein Eigen nennen, dann einen Bauern gewinnen und schließlich mit seinen Figuren so eine dominante Stellung erreichen, dass Kaftetzis keine Lust mehr hatte den Trümmerhaufen zu verteidigen und aufgab. Ein guter Auftakt!

abgekämpft aber mit dem ersten Sieg!

Am Abend wollten wir den verlorenen Schlaf der letzten Tage nachholen. Selbst bei geschlossenem Fenster hörten wir allerdings Fangesänge und die fast schon in Vergessenheit geratenen Vuvuzelas. Das Derby zwischen den Kaizer Chiefs und den Pirates verfolgten wir dann allerdings nur im Fernsehen, auch wenn die Party am Strand wirklich sehr einladend wirkte 🙂

Seit 10 Uhr läuft die zweite Runde und Luis trifft auf Abyl Kizatbay. Woher könnte der Spieler wohl kommen? Na klar, aus Norwegen!

Da heute eine Doppelrunde (Runde 3: 17 Uhr) stattfindet wird es wohl stressig. Drückt also die Daumen, dass zum einen Luis mit möglichst vielen Punkten den Tag übersteht und zum anderen mir, jetzt nicht auf dem Weg zum Spielsaal überfallen zu werden.

Das Internationale Kongresszentrum Durban dient als Spielsaal

Jugendweltmeisterschaft Durban 2014!

Es geht nach Südafrika! Der Startschuss fällt in gut einem Monat und die Vorfreude ist jetzt schon riesig. Nach dem Luis in einem Herzschlagfinale Deutscher Meister U12 geworden ist (ungeschlagen und hochverdient) hat er sich direkt für dieses Event qualifiziert.

Deutscher Meister U12, Luis Engel!

Seit der Jugend EM in Budva hat er seine Zahl von 1886 auf 2049 in die Höhe schießen lassen. Wer kann ihn noch stoppen?

vielleicht ein Hai?

Vielleicht ein Hai?

Ja, vor Haien wird extra gewarnt. Andere Umstände, dass Luis nicht Weltmeister werden sollte, kann ich mir zur Zeit nicht vorstellen. Dies liegt auch an der fehlenden Teilnehmerliste. Die offizielle Turnierseite (http://www.2014wycc.co.za/2014wycc/Home.html) gibt darüber noch keine Auskunft. Stattdessen aber interessante Informationen über Land und Leute. Ich weiß nicht wie oft ich dort das Wort „safety“ nun schon gelesen habe aber es scheint wirklich eine Rolle zu spielen. Spekulieren bringt jetzt nichts, also lieber mal ein Blick aufs bzw. vom Hotel:

Durban wird als Zentrum für Touristische Aktivitäten in Südafrika beschrieben. Auch wenn dies in meinem Kopf eher unzählige Verkaufsstände mit Trikots von bekannten Marken wie „Adidash“ oder „Niki“ hervorruft, scheint es dort anders zu sein.

Golden Mile

Ich hoffe es klappt vor Ort mit dem versprochenen Internet und ich kann hier berichten.

Europameisterschaft 2013 – Luis bester Deutscher!

Die Europameisterschaft ist nun seit 2 Tagen Geschichte. Somit genug Zeit das erlebte zu verarbeiten. Vor allem scheint das Essen doch Nachwirkungen bei mir hinterlassen zu haben – „Ein Gruß aus der Küche“ sozusagen. Diese Probleme verflüchtigen sich jedoch schnell bei einem Blick auf die Tabelle. Luis ist mit 5,5/9 bester Deutscher Teilnehmer in der Altersklasse U12.

In der 8. Runde lief der Ungar Adam Kozak in unsere Vorbereitung. Luis stand in der Italienischen Eröffnung sehr angenehm und konnte sich einen Mehrbauern erarbeiten. Kozak, mit einer Elo von 2195 an Nummer 4 gesetzt, verteidigte sich jedoch hartnäckig und konnte Gegendrohungen aufstellen. Auf einmal war die Stellung alles andere als klar. Die Schwarzen Figuren umringten Luis´ König und nur gerade so konnte er alle Angriffe parieren. Ein Generalabtausch mündete dann in ein ausgeglichenes Springerendspiel – Zeit zum Händeschütteln.

Das neue Wundergetränk immer mit dabei

Mit 4,5 aus 8 und einer Performance von 2011 war die Stimmung natürlich auf dem Höhepunkt. Trotzdem ist die letzte Runde immer etwas besonderes. Vor einem Jahr bei der Weltmeisterschaft in Maribor verlor Luis, nach sensationellem Turnier, die letzten beiden Partien. Die Niederlagen mussten erst einmal verdaut werden, bevor er sein Geleistetes zu verstehen begriff. Diesmal sollte es anders laufen. Sein ihm zugeloster Polnischer Gegner kam einfach nicht zur Partie.

Luis ohne Gegner

In Budva wurde mit Null Karenz gespielt. Wer also nicht pünktlich am Brett sitzt, hat verloren. Natürlich gibt es ein schöneres Ende für so ein Turnier. Aber dagegen kann man nichts machen. So konnte Luis den größten ELO Gewinn aller Deutschen konservieren: 44,4 Punkte!

Ich bin unendlich froh über dieses tolle Ergebnis. Seit Beginn seiner Schachkarriere im HSK vor 2 Jahren trainiere ich Luis nun schon. Christian Zickelbein machte mich auf den kleinen Jungen aufmerksam, welcher selbstständig die Schachzeitung las und bei dem die Augen beim erblicken taktischer Motive leuchteten. Von seiner Entwicklung kann man sich auf http://www.schachbund.de/spieler.html?pkz=10286900 selbst ein Bild machen. ich hoffe das in Zukunft die steile Entwicklungskurve weiter nach oben zeigt.

Die Stimmung in unserem Team war super! Papa Ulrich hatte alle organisatorischen Fäden in der Hand und Zwillingsbruder Robi hat sich nicht nur auf dem Fußballplatz einen Namen gemacht, sondern Luis bestmöglich moralisch unterstützt. Seine täglichen Berichte für die Schülerzeitung sind auch sehr lesenswert. Vielleicht sollte ich dafür nicht zu viel Werbung machen, sonst liest niemand mehr meinen Blog..

Vielen Dank für die ganze Unterstützung!

Felix Meißner

Party Party Party!

Der Sieg gegen FM Viktor Gazik musste natürlich erstmal gebührend gefeiert werden. Die erste Gewinnpartie gegen einen Titelträger! Die Stimmung konnte nicht besser sein. Selbst der komplette Fisch, mit Augen und allem was so im Inneren ist, den ich verspeisen musste (Wettschulden sind Ehrenschulden) schmeckte an diesem Tag außerordentlich gut.


An so einem Tag gewinnt sogar der HSV

Sonntag war dann leider die Luft etwas raus.

Wir wollten der gegnerischen Vorbereitung aus dem Weg gehen, sodass wir auf 1.. d6 vertrauten. Diese Eröffnung hat Luis noch nie zuvor gespielt, aber hey warum nicht?! „Hawkeye“ spielt ja auch so. Der Spanier kam allerdings ganz gut damit zu Recht, konnte Vorteil erreichen und später die Partie gewinnen. Auf jeden Fall kein Beinbruch, da er ja schließlich auch über 100 Punkte höher eingeschätzt war. Heute hat Luis schon wieder den stärksten aller möglichen Gegner zugelost bekommen – die Nummer 4 der Setzliste. In gut 3 Stunden geht es los, sodass wir jetzt dringend nochmal alles durchgehen müssen. Ich rieche heute irgendwie die Sensation 🙂

An Tagen wie Diesen

Es ist so viel in den letzten Tagen passiert, dass ich es gar nicht geschafft habe zu berichten. Der Russische Gegner, ohne Elo, in Runde 4 erwies sich leider als zu stark. Gegen die Pirc – Verteidigung konnte Luis nicht so richtig Druck aufbauen und wurde langsam überspielt. Richtig spannend ging es in Runde 5 zur Sache. In der geliebten Najdorf Variante ,mit entgegengesetzten Rochaden, stürmten beide mit den Bauern auf den gegnerischen König los. Der Pole Szpar Milosz schien sich im Laufe der Zeit seiner Sache jedoch sehr sicher zu sein. Mal ein müdes gähnen am Brett oder lange Spaziergänge durch den Spielsaal.

Augen zu und durch

professionelle Sitzhaltung des Polen

Als Zuschauer kann man zwar den Schützling von der Tribüne sehr gut sehen, jedoch ist die Stellung immer durch einen Rücken der Spieler verdeckt. Als wir gerade den Spielsaal wieder verlassen wollten, um uns in einer der umliegenden Bars die Zeit zu vertreiben, kam plötzlich ein Schiedsrichter an das Brett von Luis. Sein Gegner gestikulierte wild und verließ dann schlagartig mit Tränen in den Augen den Spielsaal. Was war passiert? Die ständigen Spaziergänge hatten sein Zeitkonto auf 4 Minuten schrumpfen lassen. Als er dann endlich ziehen wollte zeigte seine Uhr jedoch 0:00. Mitleid kann man bei diesem Benehmen wirklich nicht haben.

Mit guten 3/5 ging es dann in den Ruhetag. Die Deutsche Delegation traf sich morgens zum Bootsausflug. Ich bin zwar kein Fan vom frühen aufstehen, vor allem wenn es nicht unbedingt notwendig ist, aber diese Ausblicke bei strahlendem Sonnenschein haben sich gelohnt.

Auf dieser Insel fand das Rematch von Spasski und Fischer statt.

Nach dem abendlichen Spaziergang ging es für mich an die Vorbereitung. Die Auslosung bescherte uns die Nummer 7 der Setzliste – FM Viktor Gazik (2134). Ich fand ein paar Partien in denen er die Drachenvariante spielte. Besonders eine Partie von der letzten Weltmeisterschaft fiel mir ins Auge. Auf 9.g4 spielte er ungenau und opferte wenig später inkorrekt eine Figur. Er konnte damals allerdings gewinnen. Vielleicht hatten er diese Partie nicht richtig analysiert oder schon vergessen jemals so gespielt zu haben? Bei so vielen Turnieren die dieser Junge schon gespielt hat, durchaus möglich. Ich zeigte Luis morgens die Variante und er lernte alle möglichen Zugfolgen auswendig. Kurz vor Beginn der Runde konnten Robert, Ulrich und ich sehr gute Plätze auf der Tribüne ergattern. Wir konnten sowohl Luis als auch das Brett verhältnismäßig gut sehen. Die Partie begann und die ersten Züge wurden schnell gezogen. Drachen. Luis spielte allerdings extra einen Tick langsamer. Er wollte nicht direkt preisgeben, dass er diese Züge schon vor ein paar Stunden auf dem Brett hatte. Als Gazik nun am Zug war und die Möglichkeit hatte, das inkorrekte Opfer anzubringen, schlugen unsere Herzen auch auf der Tribüne wesentlich schneller. Die Spannung war förmlich greifbar. YES! Mit einem kräftigen Ruck schlug der Slovake auf f3 und sorgte damit für einen kleinen Schmunzler bei Luis. Er spielte die nächsten Züge a Tempo und stand am Ende der Vorbereitung so:

Engel – Gazik

Nach seinem letzten Zug, 15.h6!, ist die schwarze Stellung nicht zu beneiden.

Der Rest war für Luis nur eine Fingerübung. Der erste Sieg gegen einen Gegner dieses Kalibers!
Morgen geht es gegen den Spanier Juan Plazuelo mit 1962. Natürlich kann man nicht erwarten das es immer so gut klappt wie heute, aber hoffen kann man natürlich 🙂

Zum Abschluss wie immer noch ein paar Bilder:

Luis weiter gut dabei!

3 Runden sind jetzt schon gespielt. Das Daumen drücken in Runde 2 hat leider nicht geholfen. Der Ukrainische Kontrahent entschied sich für die Caro Kann Verteidigung und mit 1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 b5?! für eine Nebenvariante, welche eigentlich nicht so toll sein kann, aber auf den ersten Blick auch nicht leicht zu widerlegen ist. Luis spulte seine gewohnten Züge ab und stand sicherlich in Ordnung. Er hatte dann die Möglichkeit kurz oder lang zu rochieren. Leider entschied er sich für die falsche Seite und verlor dadurch, quasi forciert, einen Bauern ohne große Kompensation. Das Leiden ersparte er sich kurz danach, in dem er seinen Springer noch auf Abwege führte und wenig später aufgab. Ein falscher Plan und aus, Shit Happens!

auch unserem Ball geht es nicht mehr ganz so gut

Wesentlich erfreulicher lief es gestern. Luis wählte gegen 1.d4 die Königsindische Verteidigung. Mit 5.f3 probierte der Bulgare Ivanov die Sämisch – Variante. Es kam zu einem typischen großen Wettrennen mit entgegengesetzten Rochaden. Wer kann schneller Mattsetzen? Luis! Er kam am Damenflügel einfach schneller voran und gewann am Ende verdient. Eine gute Partie! Der aufmerksame Leser ist bei „ der Bulgare Ivanov“ im Zusammenhang mit einer Niederlage vielleicht stutzig geworden. Es handelte sich nicht um den berühmt berüchtigten Borislav Ivanov, der in den letzten Monaten mit einer nahezu eindeutigen Übereinstimmung mit Houdini Zügen in den Schlagzeilen war. Ein 11 Jähriger kommt auch sicher nicht auf so einen Quatsch.
Einzig unerfreulich war meine verlorene Wette mit Luis. Ich hatte auf einen Colle – Aufbau getippt, womit ich falsch lag. Als Wettschuld darf sich Luis nun ein Gericht am Buffet aussuchen, welches ich genüsslich verspeisen darf. Das Mittagessen war heute allerdings heute erstaunlich gut, sodass Luis es nicht als geeignet empfand…

Das Essen ist nicht immer so toll wie heute

Gleich geht es gegen eine echte Wundertüte. Die Auslosung beschert Luis einen Russen ohne ELO Zahl. Unterschätzen sollte man den Gegner allerdings auf keinen Fall. Im letzten Jahr in Maribor war Luis schließlich auch noch ohne internationales Rating. In der Datenbank gibt es keine Partien. Also haben wir als Vorbereitung ein kleines Blitzturnier veranstaltet. Überhaupt spielen wir ziemlich viele Partien mit kurzer Bedenkzeit. Ein Grund dafür könnte auch die Anwesenheit von Ex – Bulletweltmeister Roland „Hawkeye“ Schmaltz sein. Vielleicht hilft es ja, „Kramer Effekt“ und so

Abschließen möchte ich meinen heutigen Bericht mit ein Paar Eindrücken aus dem Resort und der Bitte, weiter die Daumen zu drücken!

Die Deutsche Delegation

Alles klar – in Budva! Europameisterschaft 2013

Alles klar – in Budva! Europameisterschaft 2013

Unsere 4 Köpfige Reisegruppe ( Luis, Bruder Robert, Papa Ulrich und mir) ist Samstag Abend unversehrt in Budva angekommen. Von Hamburg ging es mit dem Zug nach Frankfurt und dann mit dem Flieger nach Podgorica.

Die komplette Deutsche Delegation fuhr dann mit einem Bus noch 1,5 h durch die Berge bis zu unserem endgültigen Ziel – Budva. Ich kann leider nicht allzu viel Interessantes über die Fahrt sagen, da mein Körper sich den fehlenden Schlaf wieder holen musste (wir starteten unseren Trip mitten in der Nacht. 7 Uhr oder so.. ) Geweckt wurde ich allerdings zwischendurch immer mal, wenn bei der Lösung von den mitgebrachten Taktikaufgaben Unklarheiten bestanden.Die Motivation stimmte also schon mal.

Nach dem die üblichen organisatorischen Probleme (Akkreditierung, Zimmervergabe, Abendessen, Eröffnungszeremonie …) gelöst waren, ging es auch schon auf die sehr großzügig eingerichteten Suiten.

Gestern ging es nach dem Frühstück ( was noch verbesserungswürdig ist) auf Erkundungstour durch das Resort. Es ist der absolute Wahnsinn. „Resort Slovenska Plaza“ ist wie eine große Stadt aufgebaut. Viele Straßen, Geschäfte und große Häuser. Die Wohngebäude sind nach den Pflanzen benannt, die im Innenhof vorkommen. Unser Haus heißt „Ruzmarina“. Auch Freizeitmöglichkeiten gibt es mehr als genug. Wir testeten gestern den Fußballplatz, den Swimmingpool, den Steg am Meer und die „Shoppingmeile“ an der Strandpromenade mit lauter Ständen mit Schnickschnack im Angebot. Die Minigolfanlage wird wohl auch noch in den nächsten Tagen erkundet.

rechts unten schlägt es ein

super Qualität für 6€

Ähhm warum sind wir eigentlich hier? Richtig, wegen der Jugendeuropameisterschaft U12. Luis ist mit seiner frischen Elozahl über 1850  in der Mitte des Feldes gesetzt und kann ganz ohne Druck aufspielen. Gestern zur 1.Runde lief das schon mal sehr gut. Mit Schwarz ging es gegen einen Norweger mit 1486. Wir hatten zur Vorbereitung nur 6 Partien, woraus aber zu sehen war, dass es wohl zu einem Sizilianisch Duell kommen würde.

Also noch mal ein paar Najdorf Varianten angeschaut und noch eine Flasche von dem neuen Wundersaft – eine billige Variante von Fanta – reingeschüttet und ab zur Partie. Der Gegner wählte eine sehr harmlose Variante mit 6. Le2 und stellte dann alle seine Figuren nacheinander passiv. Luis wusste genau, wo welche Figur hin muss und überspielte seinen norwegischen Kontrahent ziemlich locker. 9 Minuten eher hätte die Partie allerdings zu Ende gehen können. Als ein kurzzügiges Matt auf dem Brett stand, ließ Odin Nicolai Heier die Zeit ablaufen. Wohl kein Schüler von Magnus Carlsen..

Das neue Wundermittel..

Heute geht es gegen einen richtigen Brocken – Ein Ukrainer mit über 2100 Elo – dafür aber mit Weiß! Die Vorbereitung steht auch schon. Zur Zeit regnet es in Strömen und an baden oder sonstige schöne Aktivitäten ist nicht zu denken. Auf den Zimmern gibt es leider kein Wlan, sodass man nur die Möglichkeit hat, sich auf eine Bank vor dem Haus zu setzen (bei diesem Scheiss Wetter eher nicht so toll) oder sich in die überfüllte Hotellobby zu begeben. Caissa hat mir allerdings heute zugelächelt und mir einen wunderschönen Platz auf einer Couch organisiert.

Jetzt geht es aber gleich weiter zum Mittagessen..

Daumen drücken ab 15:30 Uhr !

Etwas mehr Naiditsch wärs gewesen…

Zumindest am Brett. Die Deutsche Jugendmeisterschaften sind seit gestern Nachmittag Geschichte. Bevor ich auf den Turnierverlauf unserer beiden Helden eingehen möchte, erlaube ich mir ein abschweifen zum Blitzturnier. Dies fand am Donnerstag Abend in 3er Teams statt. Ich trat mit Julian und Lars als Team „Hoffentlich nicht Letzter“ an. Wo wir genau landeten weiß ich nicht mehr, aber unserem Namen wurden wir gerecht 🙂
In Runde 5 trafen wir auf das Team von Deutschlands Nummer 1 und Großmeister Arkadji Naiditsch. Irgendwann stand es so:

Naiditsch – Meißner

„Etwas besser für Weiß“ meinte unser Nationalspieler nach der Partie

Ich überlasse dem Leser selbst ein Urteil. Vielleicht fehlten Luis und Julian genau dieser grenzenlose Optimismus und der Killerinstinkt. Dann kommt vielleicht das Quäntchen Glück von selbst dazu. Für die U12 gab es ein eigenes Teamblitzturnier (2 Personen). Ich musste am Mittag Luis schon arg drängeln damit er überhaupt daran teilnimmt, weil er von seinen Blitzkünsten nicht sonderlich überzeugt ist…

Erster Platz für Luis und Julian

Kommen wir zum Turniergeschehen. Julian erlebte in Runde 7 seinen Tiefpunkt als er folgende Stellung mit einer halben Stunde gegen 2 min und 100 ELO mehr nicht gewann:

Am nächsten Tag bescherte die Auslosung ihm auch noch Teamkollege Lars Hinrichs mit schwarz. Es wurde ein scharfes Theorie Duell, wo alle 3 Ergebnisse möglich waren. Julian hatte an diesem Tag die besseren Nerven und konnte alle Angriffsversuche abwehren und seine 2 Leichtfiguren gegen Turm und Bauer sicherten ihm den Punkt.

Dieser Herr ist verantwortlich für Lars Vorbereitung…

Mit einem Sieg in der letzten Runde wäre Julian sogar noch 5. geworden. Doch der stark aufspielende Benedikt Krause konnte unserer Vorbereitung den Stachel ziehen und alle Angriffsversuche abwehren. Wie hart das Schweizer System ist sieht man daran, dass mit diesem halben Punkt Julian noch auf den 11.Platz abgerutscht ist. Trotzdem bin ich, und kann auch er, mit seinem Ergebnis sehr zufrieden sein. Wenn es „nicht läuft“ – man so viele Chancen auslässt, und am Ende trotzdem noch ungefähr auf seinem Setzlistenplatz landet, dann sieht man erst, wie viel Potential man noch hat. Ich möchte hier Julian noch einmal ausdrücklich für sein professionelles Verhalten während des Turniers loben! Die Zeiten wo er nach einer schlechten Partie die „Flinte ins Korn wirft“ sind zum Glück vorbei. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht mit Julian zu arbeiten 🙂

Morgens gehts zum Joggen 🙂

Bei Luis wurde das Turnier zum großen Drama! Erst zerlegte er den letztjährigen Deutschen Meister Jan-Okke Rockmann mit Schwarz um dann in Runde 9 diese Stellung gegen den sympathischen Maximilian Mätzkow noch zu verlieren:

Im „Smeets Style“ (Lf1 , Tf2 bzw. Tf1) steht Weiß hier mit Mehrbauer einfach auf Gewinn. Leider verschlechterte er in den nächsten Zügen zuerst die Position seiner Dame und dann die des Königs. Immer einen Zug später hatte er noch die Möglichkeit, Diese wieder auf das letzte Feld zurück zu stellen und stände immer noch besser. Aber wer macht schon gern zwei Eingeständnisse hintereinander? So wurde er leider Opfer der schwarzen Figuren. Die 10. Runde begann dann kurios. Sein Gegner meinte vor der Partie am Brett: „er wäre sehr gut vorbereitet und werde gewinnen“.

Da war er sich dann wahrscheinlich nicht mehr ganz so sicher 🙂

Mit einem mulmigen Gefühl ging es dann in die letzte Runde. Gegen den schon feststehenden Deutschen Meister Julian Martin (Luis Blitzpartner) mit schwarz. In der Najdorf Variante, die mittlerweile zur besten Waffe wird, stand Luis schnell sehr gut.

Najdorf läuft gut!

Luis verdichtete seinen Vorteil weiter bis ein Matt in 5 auf dem Brett stand:

Hier sah er einleitend mit Te3+ einen vermeintlichen Turmgewinn und zog ihn relativ flott. Das böse Erwachen kam erst nach 44. Da7+ und kurz darauffolgenden Friedensschluss. Dieser bescherte den undankbaren 7.Platz, Punktgleich mit Platz 5, welcher aber nicht für die direkte Qualifikation für EM oder WM reicht. Als wir in der Analyse die Stellung noch einmal auf dem Brett hatten sah er das Matt in handgestoppten 7 Sekunden..
So ein bitteres Ende eines ansonsten ganz stark gespielten Turniers trübt natürlich die Freude etwas. Die Inoffizielle DWZ Auswertung besagt +32. Damit klettert Luis erstmalig über die 1800. Eine Chance für eine Qualifikation auf internationaler Ebene bleibt dennoch. Spielt er bis zu einem bestimmten Stichtag 2 Turniere mit Leistung 1900 oder ein Turnier mit 2100 kann er auch zur WM oder EM. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob ich ihm das aus meiner Sicht wirklich empfehlen sollte, vielleicht hat er danach mehr als ich 🙂

Luis macht auch beim Kondiblitz auf der Bühne eine gute Figur, Naiditsch kommentiert.

Im Osten nix Neues…

6 bzw. 7 Runden sind jetzt schon gespielt und man gewöhnt sich langsam an das Essen und die Schachfiguren. Julian liegt mit 3/6 ungefähr im Soll. Partien im Stile eines Weltmeisters wechseln sich mit denen eines 4 Jährigen ab. Somit kommt man eben auf 50 Prozent 🙂

Julian spielt seine Zahl

In Runde 4 am Spitzentisch gegen Vereinskollege und „fast 100 Prozent Jonas“ ließ er in der Eröffnung ein forciertes Remis aus und verlor dann schnell.

HSK Spieler unter sich am Spitzentisch

Mehr Zeit um auf sich Aufmerksam zu machen bekam er in Runde 5. Ihn erwartete ,der als großen Kämpfer bekannte, Lev Yankelevitch.

Nein, einen großen Kämpfer, nicht mich!

Auch nicht Kumpel Lars

Lev und Julian

Als dieses Foto entstand wurde gerade das Mittagsbuffet abgebaut. Yankelevitch machte seinem Ruf alle Ehre und versuchte irgendwie noch dieses theoretische Remis – Endspiel zu gewinnen. Mehrmals gelang es ihm eine Gewinnstellung zu zaubern, ohne jedoch den Deckel drauf zu packen. Julian fand viele einzige Verteidiungszüge und konnte sich nach mehr als 6 Stunden über den halben Punkt freuen!

Julian nimmt die Zuschauertraube gelassen

Diese lange und komplizierte Partie raubte ihm natürlich Unmengen an Kraft. Vielleicht machte sich am Nachmittag unser morgendlicher Lauf bezahlt. Er hielt am Nachmittag ein schwieriges Endspiel (mit zwischendurch 2 Minusbauern) Remis!

Julian „Rocky“ Kramer

Zufrieden kann auf jeden Fall Luis sein. Nach den soliden 1,5/2 gewann er etwas glücklich gegen Dennie Shoipov um danach gegen Kaderspieler Theo Gungl etwas unglücklich zu verlieren. So ist das Leben!

In Runde 5 griff er das erste mal in seinem Leben im 1.Zug den D – Bauern an und zog ihn 2 Felder nach vorne. Wir hatten gesehen, dass sein Gegner sich Holländisch (1..f5) verteidigt und ein angressives Gambit vorbereitet. Sein sichtlich überraschter Sächsischer Konkurrent fand kein probates Mittel und griff schnell fehl.

„Pokerface – Luis“ lässt sich nicht anmerken, dass er genau weiß was hier vorgeht.

Das er gut in Form ist bewies er dann auch gegen den Saarländer Maurice Schirra, den er mit Schwarz, in einer ihm gut bekannten Sizilianisch Variante, völlig überspielte.

So macht Schach Spaß: Luis!

Nach dem heutigen soliden Remis geht es morgen gegen den letztjährigen Deutschen Meister Jan-Okke Rockmann. Eine Rechnung hat er auf jeden Fall noch offen, da er im letzten Jahr eine gute Stellung nicht zum Sieg führen konnte. Die Vorbereitung steht und morgen soll alles noch besser werden, als es sowieso schon ist!

Wenn ihr Julian und Luis nicht nur in Gedanken unterstützen wollt, dann könnt ihr ihnen eine Nachricht schicken, welche morgen an ihrem Brett liegt.

Link Luis: http://www.dem2013.de/interaktiv/u12/spieler/13./nachricht.html

Link Julian: http://www.dem2013.de/interaktiv/u16/spieler/9./nachricht.html

Drückt weiterhin die Daumen!